Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 13)
- Language
- German
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413 treten in den Hintergrund, sobald Beer sein gewichtiges Wort dreinredet. So gewinnt der Leser z. B. auf S. 45 den Eindruck, daß Beer die Entdeckung gemacht hat, daß אנקליות und מגם griechische Lehnwörter sind, da dies in seinem Namen angeführt ist; ja sogar der alte Unsinn, daß אימורים mit dem gr. [rqpla. zusammenhängt, ist vom Verf., weil von Beer sanktioniert, übernommen und in seinem Namen mitgeteilt. Es ist klar, daß ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse wohl ,,neue“ Erklärungen zur Mischna gegeben werden können, die viel Phantasie und hie und da vielleicht auch Scharfsinn verraten, niemals aber solche, die An- Spruch auf Wissenschaftlichkeit zu erheben vermögen. In der Tat, gehören auch sämtliche Erklärungen des Verfassers, die Ref. einer Prüfung unterzogen hat, ins Reich der Phantasie, für die die Mischna keinen Anhaltspunkt bietet. Als Illustration zum Gesagten möge der Komment, des ersten Kapitels dienen, in dem drei ,,neue“ Erklärungen gegeben werden, deren eine aber Verf. selbst (S. 6) als השערה bezeichnet. Die anderen zwei sehen folgendermaßen aus ־. Der erste Satz des Traktates אור לארבעה עשר בודקי! את החמץ hatte nach Verf. ursprünglich die Bedeutung, daß man in der Abendzeit des 14. Nissan, d. 11. am ersten Abend des Pessachfestes nach dem Gesäuerten suchen müsse, da nach der Bestimmung der Tora: אך ביום הראשון תשביתו (Ex 125ן) erst am ersten Feiertag das Gesäuerte wegzuschaffen sei. Die Mischna wollte also ursprünglich lehren, daß man am ersten Sederabend das Chamez בודק sein müsse. Erst später, als man das Chamezverbot schon auf den 14. Nissan ausdehnte, war man nach k. genötigt, אור לארבעה עשר auf die Abendzeit des 13. zu deuten. Eine solche Erklärung ist an sich schon deshalb ausgeschlossen, weil bei den Juden bekanntlich der Tag mit dem Abend beginnt und bei einer Zeitangabe der Abend nicht zum vorhergehenden, sondern zum folgenden Tag zu zählen ist1. Wäre aber auch der Ausdruck an sich zweifelhaft, so gehört es zu den elementarsten Methoden der Philologie, dort, wo eine Redewendung nicht eindeutig bestimmt ist, nach ähnlichen Phrasen innerhalb desselben Werkes Umschau zu halten, deren Bedeutung keinem Zweifel unterliegen. In der Tat kommt in der Mischna Edujot IV, 10 und Keritot I, 6 in einer Kontroverse zwischen Bet Schammai und Bet Hillel (keine junge Mischna also) der Ausdruck המפלת אור לשמונים ואחד vor, wo natürlich nur der Abend des 80. Tages gemeint sein kann. Man sieht, die vom Verf. auf Grund b i b e 1 - lc r i t i s c h e r Erwägungen gegen die Tradition gegebene Erklärung hat nicht die geringste Berechtigung. Verf. sucht sie aber in Mischna 3 weiter auszuspinnen, wobei er sich sofort in Wider- Sprüche verstrickt. Hier heißt es: ר׳ יהודה אומר בודקים אור לארבעה עשר ובארבעה עשר שחרית ובשעת הביעור וחכמים אומרים לא בדק באור ארבעה עשר יבדוק בארבעה עשר לא בדק בארבעה עשר יבדוק בתוך המועד... 1 Ueber אור עבורו Vgl. R. Chananel zu Rösch Haschana 22 b, die Rischonim zu Pesachim, Auf. und Toss. Zebachim 56 b. Dies hat aber auch aus anderen Gründen mit einer gewöhnlichen Zeitangabe nichts gemein.