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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Die neueste Mischnaliteratur
Date
1925-01-01
Page
Seite 411 (sequence 11)
Language
German
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411 Stimmungen, die in verschiedene Gebiete einschlagen, so wurde sie in unserer Mischna bei der Behandlung all dieser Gebiete wiederholt und nicht in der Weise getrennt, daß der eine Teil in dem einen und der andere in dem anderen Traktat behandelt wurde. Dies gilt umsomehr von Mischnajot, die von Hause aus sowohl eine Halaka enthielten, deren Inhalt ein Traktat oder Kapitel in der Mischna gewidmet ist, als auch eine solche über eine biblische Bestimmung, die in der Mischna sonst keine Behandlung erfährt. Die ganze Mischna wurde dort, wo die eine Halaka ihrem Inhalte nach am Platze ist, aufgenommen; sie wurde aber hier nirgends mehr wiederholt, da der andere Teil der Mischna nirgends eine Verwandtschaft besaß. In diesem Falle begnügt man sich damit, daß die betreffende Halaka irgendwo nebenbei untergebracht ist. Dies ist auch hier mit der ganzen Mischna 10 der Fall. Der erste Teil der Mischna (.מצאה ברפת איני חייב בד), der schon inhaltlich den Amoräern in Babli 32a Schwierigkeiten bereitete, spricht nicht von einem Fund, sondern ebenfalls vom Abladen eines schwer beladenen Tieres. Dies geht unzweideutig aus Sifre Deuteronomium § 225 hervor. Denn dort wird zu נופלים בדרך (Deut 224) erklärt: בדרך ולא ברפת מכאן אמרו מצאו ברפת אין חייב בה. In der Schule wurde aber in diese Halaka ein Lehrsatz in bezug auf den Fund (או שאמר לו אל תחזיר) eingefügt, der auf demselben Grundsatz wie die vorhergehende Bestimmung (אמר לו אביו היממא) beruht (vielleicht spricht hier auch der Zusammenhang in der Bibel, Deut 221_4, mit). Die ganze Mischna wurde von der Redaktion wegen dieser Halaka hier eingereiht. In M. 11 wurde ebenso die ganze Mischna wegen der einzelnen darin enthaltenen Be- Stimmungen über א ב ידה ungekürzt auf genommen. Dadurch erledigt sich auch die scheinbare Zusammenhanglosigkeit in M. X, 5b (השוכר את הפועל), die Verf. auffällt. Denn dieser Lehrsatz bildete in der Schule mit 5a wegen der Gleichheit des אין שומעין לו eine Einheit und wurde deshalb in unserer Mischna in seinem Zuals daß תקן sonst nicht ,,umredigieren“ heißt, hier aber, um die beiden Baraitot in Einklang bringen zu können, ,,vielleicht“ diese Bedeutung hätte. Der Rezens. knüpfte nun an diese Bemerkung folgende Belehrung an: Die hebr. Sprache kennt keinen Ausdruck für ,,verfasse n“. Stattdessen gebraucht man ,,schreibe n“. Die Tradition .wurde jedoch nicht niedergeschrieben und daher auch nicht die Mischna (!). Wenn man daher ausdrücken wollte, daß jemand die Mischna verfaßte, sagte man er lernte (שנה) oder תקן . . . Albeck wurde durch den Ausdruck תקן irregeführt und glaubt, er bedeutet ,,umredigieren“. Rezensent scheint nicht zu wissen, daß תקן in der Bedeutung ,,verfassen“ schon in der Bibel vorkommt, vgl. Kohelpt 129 und Zunz, Gesammelte Schriften III, S. 51. Trotzdem aber mir dies sehr gut bekannt war, glaubte ich doch, um den Widerspruch zwischen den Angaben der Baraitot zu lösen, annehmen zu können, daß der Ausdruck hier vielleicht umredigieren bedeutet. Vorsichtiger kann man sich wohl nicht ausdrücken. Es wäre nicht uninteressant, einmal eine AbhandLung über die Aufgaben und Pflichten eines Rezensenten zu schreiben. Es dürfte aber unbestreitbar sein, daß seine vornehmste Pflicht darin besteht, das Buch, das er besprechen will, gründlich zu lesen und nicht nur darauf auszugehen, Gelegenheit zu suchen, seine Bemerkungen zum besten zu geben. Gegen diese Pflicht wird leider am meisten verstoßen.

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