Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
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410 alle lose nebeneinanderstehenden Lehrsätze — auch am Ende der Traktate —als Nachträge im eigentlichen Sinne des Wortes betrachtet werden. Denn solche, die sich nicht zu anderen ahnliehen gesellen ließen, die sich nicht zu einer größeren Vereinigung mit anderen eigneten, mußten gesondert am Ende kurz behandelt werden“ (unser Aufsatz im Korrespondenzbl. a. a. O. S. 29). Daß sich aber trotz dieser Vorbehalte in unserer Mischna sowohl Mischnajot aus verschiedenen Schulen oder Sammlungen als auch Nachträge feststellen lassen, glauben wir in unseren ,,Untersuchungen“ gezeigt zu haben. W i n d f u h r hält sich in seiner Einleitung, wie gesagt, von all diesen Annahmen fern, was für seine Arbeit nur vom Vorteil ist. Einige Ausstellungen, die er an der Anordnung des Traktates macht, (S. 10—11) sind ernster Natur und verdienen besprochen zu werden. Das zweite Kapitel in Baba Mezia behandelt das Fundrecht. Ganz unvermittelt wird aber in M. 10c (פרק וטען) die Bestimmung über das Abladen bei gefallenen Tieren besprochen, während M. 11 wieder vom Fund handelt. Um dies zu erklären, muß man sich zunächst das Verfahren des Mischnaredaktors bei der Aufnahme einer Mischna, die mehrere Dinge vereinigte, vergegenwärtigen. In unseren ,,Untersuchungen“ S. 11 haben wir in bezug auf Mischnajot, die mehrere Dinge zusammenfassen, die inhaltlich zu verschiedenen Traktaten gehören, nachgewiesen, daß ihr Zusammenhang nie zerrißen wurde1. Enthielt eine Mischna Be- 1 Der Rezensent meines Buches in ,,Magyar-Zsido Szemle“, 1923 S. 152 sieht eine Ausnahme zu dieser Regel in Schabbat I, 1: יציאות השבת שתים שהן ארבע ebenso Nega׳m I, 1, welche Mischnajot aus dem Zusammenhang in Schebuot 1, 1: . שבדעות שתים שהן ארבע . . . יציאות השבת שתים שהן ארבע gerissen wären. Dazu ist zu bemerken, daß diese Mischna in Schebuot nicht das Geringste mit der Regel zu tun hat, da sie nicht nach dem Inhalte, sondern nach einem äußeren Merkmale (שתים שהן ארבע) zusammengesetzt ist. Diese Art von Mischnajot werden von mir a. a. O. weiter unten behandelt. Es ist mir rätselhaft geblieben, warum Rezens., der trotz meiner Ausführung Mischnajot, die nach dem Inhalte geordnet, von denen, die nach äußeren Gesichtspunkten zusammengesetzt sind, nicht auseinanderzuhalten weiß, gerade diese Mischna als Ausnahme anführt und nicht s ä m t - liehe ähnlichen Mischnajot, die in einem Traktat nach irgend einem Stichwort zusammengesetzt sind und in den anderen Traktaten, wo sie sachlich hingehören, nur einzeln wiederholt worden. So z. B. die?אין בי Mischnajot in Megilla I, 4—11, deren jede in den betreffenden Traktaten gesondert aufgeführt ist, und die anderen bei mir S.12 verzeichneten Mischnajot. Natürlieh hat dies mit unserer Regel nichts zu tun, weil es die Gepflogenheit des Mischnaredaktors war, die Mischnajot, die von manchen Schulen nicht nach ihrem Inhalte geordnet wurden, an der Stelle, der der erste Lehrsatz inhaltlich zugehört, in ihrer ganzen Zusammensetzung aufzuführen (wie z. B. in Schebuot und Megilla a. a. O.), in den anderen Traktaten aber die Schulen, die, wie unsere Mischna, die Mischnajot nach dem Inhalte ordneten, das Wort führen zu lassen. Bei der Gelegenheit sei mir gestattet, auch auf die zweite Bemerkung dieses Rezensenten hier einzugehen, die noch deutlicher zeigt, daß er mein Buch nur flüchtig ,,durchgeblättert“ hat. Seite 111 Anm. 2 wird von mir bemerkt, daß die Angabe der Baraita, Berakot 28a, עדיות בר בידם נשנית mit Tosefta Edujot I, 1 nicht in Einklang zu bringen ist. Eine Variante gibt es תקנים statt נשנית. Darunter ,,wäre vielleicht“ zu verstehen, daß man den Traktat Edujot am Tage der Wahl des R. El. b. Az. zum Nasi umredigiert hatte. Diese vorsichtige Ausdrucksweise kann doch nicht anders bedeuten,