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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 409

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Die neueste Mischnaliteratur
Date
1925-01-01
Page
Seite 409 (sequence 9)
Language
German
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40a Mischna und Talmud zu wissen. Ihr Ziel muß ein viel bescheideneres werden: die Mischna christlichen Theologen usw. zugänglich zu machen und ihrem Denken näher zu bringen. Daß dies Ziel mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht werden kann, beweist u. a. auch Windfuhrs Bearbeitung von Baba M e z ia. Die Arbeit Windfuhrs ist im Verhältnis zu der Arbeit Nowacks weniger phantasiereich, dafür aber umso gründlicher. Verf. gibt sich redlich Mühe, in den Mischnatext einzudringen und stellt alles zusammen, was für das Verständnis der Mischna von Belang ist. Im allgemeinen weicht er von der sachlich vorgezeichneten Bahn nicht ab und läßt nirgends eine gewisse Tendenz durchblicken. Es verdient auch besonders erwähnt zu werden, daß Verf. in der Einleitung von der bei den ,,Gießnern" so beliebten Methode der Quellenscheidung in der Mischna keinen Gebrauch macht. Es fällt einem jüdischen Gelehrten sehr schwer, unsere Mischna in die ursprünglichen Bestandteile zu zerlegen. Für die Gießner dagegen ist dies im allgemeinen ein Leichtes. Ueberall, wo die Anordnung der Mischna ,,ihrem Denken" nicht entspricht, wird das Allheilmittel aus dem Arsenal der Kritik hervorgeholt und eine Quellen- Scheidung vorgenommen. Hierbei, wie auch sonst, wird immer wieder vorausgesetzt, daß wir es in der Mischna mit verschiedenen Redaktionen zu tun haben, daß R. A k i b a zuerst eine Mischna redigiert habe, die von R. M e i r ergänzt wurde und in dieser Erweiterung den Grundstock unserer Mischna bilde. Tatsächlich gibt es nirgends in der talm. Literatur auch nur einen Anhaltspunkt dafür, daß R. Akiba eine Mischna Sammlung angelegt hatte, die dann von R. Meir umredigiert wurde. Der Ausspruch des R. Jochanan, Sanhedrin 86 a, ,סתם מתניתן ר מאיר . . . וכולהו אליבא דרע״ק, auf den so oft verwiesen wird, enthält nichts, was eine solche Annahme berechtigen würde. Dieser Ausspruch besagt nur, daß die Formulierung der alten Halakot in unserer Mischna gewöhnlich nach der Version derselben in der Schule R. Meirs erfolgte. Dieselbe Halaka wurde naturgemäß in jeder Schule anders stilisiert. In unserer Mischna ist die Version des R. Meir vorherrschend, die wiederum auf R. Akiba zurückgeht, vgl. unsere Untersuchungen über die Redaktion der Mischna, S. 120. Von einer Mischna- Sammlung des R. Akiba oder des R. Meir ist hier nicht die Rede. In Tosefta Zabim I, 5 heißt es auch nur, daß R. Akiba Halakot vor seinen J ü n g e r n ordnete (מסדר הלכות לתלמידים). Nach welchen Gesichtspunkten er sie ordnete, ob nach irgend einem äußerlichen Stichwort, nach dem Namen der Tradenten oder nach dem Inhalte, wird hier nicht gesagt; vgl. unsere Untersuchungen usw. S. 118 und im Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Jud. 1922 S. 22 f. Ebensowenig wie die Voraussetzung für die Quellenscheidung ist der von den christlichen Theologen mehrfach gebrauchte Begriff von den Nachträgen in der Mischna berechtigt. Denn, ,,was uns als unsystematisch und ungeordnet erscheint, mag bei den Alten oft keinen Anstoß erregt haben. Auch dürfen nicht ohne weiteres

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