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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 408

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Die neueste Mischnaliteratur
Date
1925-01-01
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
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408 um zu erkennen, auf welcher Voraussetzung dieser Beweis beruht. Hier heißt es (S. 34): ,,Den Grund des Verbotes sieht man nicht (so!) in der Besorgnis, der Jude könne in den Verdacht kommen, er wolle sich der Nichtjuden zu seinem Vorteil bedienen oder er sei ihm behilflich, etwas am Sabbat zu tragen, vgl. Barten, u. a. Vielleicht aber hängt das Verbot ursprünglich damit zusammen, daß die Vorbereitung auf das Fest des Nationalgottes zur Enthaltung von dem Verkehr mit den Verehrern einer anderen. Gottheit führt, weil man sonst leicht unrein, d. h. kultunfähig werden könnte (Beer)“. In der Einleitung hat also Verf. eine ganz und gar unbegründete Vermutung Beers als unbestrittene Tatsache hinge״ stellt, um seine Behauptung von der Nationalisierung des Sabbats zu stützen. Aber wozu diese vergebliche Mühe! Schließlich kommt es ja doch nur darauf hinaus, daß hier ,,erst Jesus Wandel geschaffen“ hat, ,,durch den Grundsatz: der Sabbat ist um des Menschen willen da“ usw. (S. 24). Das hören wir schon zum so und so vielten Male und es wäre nicht nötig, sich solche Blößen zu geben, um dies wieder״ holen zu können. Obige Beispiele bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus den zahlreichen Irrtümern des Verf.1 Sie dürften aber genügen, um zu zeigen, welche unzulängliche Kenntnis der rabbinischen Literatur und welche Vorurteile seine Feder geführt haben. Sollte in Zukunft dieser Gießner Mischnaausgabe nicht jeder wissenschaftliche Wert abgesprochen werden, so ist es in erster Reihe erforderlich, daß die Mitarbeiter tendenz״ und vorurteilslos an die Mischna herangehen und sie von innen heraus zu verstehen suchen. Das von den Herausgebern entwickelte Programm von einer Kultur- und Literargeschichte muß aufgegeben werden, da dies weit über ihre Kräfte hinausgeht. Durch das Streben, dies Programm zu ver״ wirklichen und Pionierarbeit zu leisten, sind sie ihrem Ziele nicht um einen Schritt näher gekommen, sondern haben wahrscheinlich mit zu der alltäglichen Erscheinung beigetragen, daß Ignoranten, die hebräisch nicht buchstabieren können, vorgeben, Bescheid in 1 Allgemein kann gesagt werden: juurt, wo Verf. die Gemara zur Erklärung einer Mischna heranzieht, hat er weder die Gemara noch die betreffende Mi. verstanden. Man vgl. nur die Erklärung zu I, 31י den Mischmasch zu II, 33, der sich nach Verf. ״klar“ aus der Gemara ergibt, und oben S. 406 Note i. Ein Beispiel, das kurz besprochen werden kann, soll hier angeführt werden. In III, 5 lehrt die Mi., daß man in ein siedend vom Feuer entferntes Geschirr kein Gewürz am Sabbat geben darf, weil es dadurch gekocht wird, in eine mit warmen Speisen gefüllte Schüssel dagegen, die nicht selbst auf dem Feuer stand (כלי שני), darf Gewürz getan werden. R. Jehuda aber sagt: Ueberall darf man Gewürz hinein tun, nur nicht in ein Gefäß, in dem Essig oder Fischlake ist. In der Gemara z. St. (42b) wird nun die Frage aufgeworfen, ob Salz in dieser HinJcht dem Gewürz gleichzusetzen ist. Da wird im Namen des R. Nachm an angeführt, daß Salz so lange wie Ochsenfleisch kochen muß, so daß es nicht dem Gewürze gleichzusetzen ist, sondern sogar in einen vom Feuer genommenen Topf hineingetan werden darf. Verf. erklärt jedoch zu dem Ausspruch. des R. Jehuda, daß nur in ein warmes Gefäß, in dem sich Essig oder Fischlake befindet, kein Gewürz getan werden darf, wörtlich (S. 49): ״Der Grund ist ersichtlich aus dem Wort R. Nachmans, daß Salz ebenso lange wie Ochsenfleisch kochen muß, vgl. Gern. z. d. St.“ Was diese Erklärung bedeuten soll und auf welchem Mißverständnisse sie beruht, ist mir verborgen geblieben.

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