Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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404 von W. Windfuhr1. Die Herausgeber haben die Mängel dieser Ausgabe eingesehen und wünschen, sie zu beheben. Sie versichern, ,,den ihnen durch die Kritik wie auch durch mündliche Aeußerungen bekanntgewordenen Beanstandungen Rechnung zu tragen“. Während sie aber in der Vorbemerkung zu Baba Mezia (auf dem Umschläge) nur erklären, daß sie allen Mitarbeitern besonders empfohlen haben, ,,sich bei der Ausarbeitung der Traktate der Mithilfe jüdischer Fachgelehrten zu versichern“, so gingen sie, wie sie bei der Herausgabe von Schabbat bekanntgeben, einen Schritt weiter, indem sie Herrn Dr. Rabin als Mitherausgeber auf nahmen, dessen Hilfe bei den folgenden Traktaten (also nicht bereits für Schabbat) ,,alle Mitarbeiter in bezug auf die jüdische Tradition“ sich versichern können. Die Herausgeber scheinen also der Meinung zu sein, daß die Fehler dieser Ausgabe nur auf die mangelhafte Kenntnis der jüdischen Tradition zurückzuführen sind. Da aber Ref. davon überzeugt ist, daß die .Ursachen dieser Fehler auch in anderer Richtung zu suchen sind, so hält er es für angezeigt, im Interesse dieser Ausgabe seiner Meinung unumwunden Ausdruck zu geben, in der Hoffnung, daß auch diesen ,,Beanstandungen“ künftig Rechnung getragen wird. Es gibt in dieser Ausgabe gewiß eine stattliche Anzahl von falsch übersetzten Stellen. In all diesen Fällen konnten sich aber die Mitarbeiter zu jeder Zeit Aufschluß über die jüdische Tradition aus den bereits vorhandenen richtigen Uebersetzungen holen. Wo sie von diesen abwichen, ist also anzunehmen, daß die jüd. Tradition ihnen wohl bekannt war, sie aber nichtsdestoweniger sich über sie hinwegsetzen zu können glaubten. Ueber solche ,,originelle“ Uebersetzungen ist in einer wissenschaftlichen Zeitschrift kein Wort zu verlieren. Glücklicherweise ist deren Zahl in den zuletzt erschienenen Traktaten in Abnahme begriffen. Sehr schlimm dagegen ist es noch um solche Stellen bestellt, wo die Uebersetzung zwar eine korrekte ist, die Erklärung aber, die ihr beigefügt wird, geradezu unglaublich erscheint und bei den Haaren herbeigezerrt ist. Hier sind wir nun bei dem Grundübel dieser Ausgabe angelangt, das den Schlüssel zur Erklärung vieler Verkehrtheiten, denen wir hier begegnen, zu bieten vermag. Das Grundübel ist: die jeder Wissenschaft abholde Tendenz. Die Bearbeiter dieser Mischnaausgabe begnügen sich ja im allgemeinen ,,programmgemäß“ nicht damit, den Text mit einem kritischen Apparat, einer Uebersetzung und Erklärung darzubieten, sondern sie wollen unbedingt Kultur- und Literargeschichte usw. aus dem Mischnatext herausholen. Da * dies nach der gewöhnlichen Erklärung nicht immer möglich ist, so wird sie oft fallen gelassen und an ihrer Stelle eine andere, mehrfach lächerliche hineingelegt. Wirkt eine solche Tendenz an sich schon hemmend auf das richtige Erfassen eines Textes, so ist sie geeignet, jede Urteilskraft zum Stillstand zu bringen, wenn sich zu ihr das Vorurteil gesellt. Die Tendenz, gepaart mit 1 Die Mischna . . . Baba Mezia (,,Mittlere Pforte“ des Civilrechts) Text, Uebersetzung und Erklärung nebst einem textkritischen Anhang von Walter Windfuhr, Pastor an St. Catharinen in Hamburg, 1923, Verlag Töpelmann, Gießen, VI u. 122 S.? Preis geh. 4.20 Mk.