Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829933-2832918--46518-2832994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
391 a) Praktische Fälle und die ihnen entsprechenden Lehrsätze haben wohl!Beziehungen zueinander, diese verbürgen aber durchaus nicht eine bestimmte chronologische Folge. Das Faktum geht nicht immer dem Lehrsatz voran. b) Die mit והא דפלוני לאו בפירוש 3איתמר אלא מכללא איתמר charakterivierten Sätze berechtigen keineswegs zu dem Schluß, daß die von Tannaiten und Amoräern mitgeteilten Lehrsätze im allgemeinen eigene Konstruktionen;seien, die aus älteren Sätzen abgeleitet wurden, denn die בפירוש ^-Sätze bilden eine Gruppe eigener Art, die das allgemeine Prinzip der traditionstreuen Wiedergabe des überkommenen Stoffes nicht tangiert; schon deshalb nicht, weil es sich in den meisten Fällen gar nicht um Transformation handelt, sondern um primäre Bildung. Die Frage geht, wie wir bereits gezeigt haben, im wesentlichen darauf hinaus, ob die dem Satze zugeeignete Person als Autor oder Originator anzusprechen sei. Zweitens nährt sich die Theorie von לאו בפירוש איתמר nicht aus dem Bewußtsein, daß die Tradenten ״oft Lehr- «ätze überlieferten, die sie nur aus einer Entscheidung ihres Lehrers in einem bestimmten Falle folgerten und nicht ausdrücklich in dieser Form hörten6‘,;sondern aus der Tatsache, daß Fakten und Aeußerungen bekannt waren, die sich mit den mitgeteilten Sätzen wirklich oder scheinbar deckten. Daß :selbst für diese Fälle das לאו בפירוש איתמר nicht zwingend sei, ist an drei Fällen bezeugt. Außerdem lassen die לאו בפירוש-Sätze nicht viel Raum für höhere :Zeitunterschiede zwischen Faktum und formuliertem Satz. Bei einigen Bei-;spielen ist die Formulierung geradezu die Uebersetzung des Faktums und •die fast einzig gebotene Konservierung desselben als Lehrsatz. Man vergleiche hierzu ,,Untersuchungen“ 5 und 144. Der Sinn der Parallel- oder genauer Analogiesätze 6 ff. ist daher nicht aus der לאו בפירוש- Gruppe zu erschließen. Beim überwiegenden Teil der analogen Sätze ist ein doppeltes zu berücksichtigen, erstens ihre Abhängigkeit vom obern Prinzip, aus dem sie beide fließen, zweitens der gleiche Bau in Stil, Ausdruck und Konstruktion, der auf den ersten Blick erkennen läßt, daß die Sätze demselben Bildungsgesetz ihre äußere Form verdanken. Auch hier wird es sich empfehlen, unmittelbar an das Beispiel anzuknüpfen. Kil 12 und Terum 26 haben als oberes Prinzip: Wahrung der Gattungseinheit bei Pflanzen. Die Frage ob קישות und מלפפון eine Gattung bildet oder nicht, ist für Kilajim und Teruma gleich wichtig. Der Gattungsbegriff selbst, der hier das obere Prinzip bildet, ist jedoch für Kilajim originär, für Teruma bloß ein Derivat, und dies zeigt sich hier auch in der Bildung der Parallelsätze. Ursprünglich ist die Kontroverse in Kil, in Terum ist sie, wie die vorhergehenden Worte bezeugen זה הכלל כל שהוא כלאים בחברו לא יתרום מזה על זדי. aus Kil entlehnt und an Stelle von אינם כלאים זה בזה bezw. כלאים die Ausdrücke מין אחד bezw. שני מינים gesetzt, weil die ersteren Ausdrücke in Terum nicht passen. A. hat also darin recht, daß die Kontroverse nur an oiner Stelle ursprünglich sei, an der andern hingegen bloß entlehnt. Man beachte bloß die merkwürdige Sachlage, daß das Prinzip selbst gerade an der derivaten Stelle klar zum Ausdruck kommt. Die ursprüngliche ist entschieden die Kil-Stelle. Das obere Prinzip liegt im ־כלאיםBegriff und ist biblisch, folglich läßt sich daraus kein zeitbestimmendes Moment für die Formulierung der Sätze gewinnen. Dasselbe gilt auch von den eigentlichen Analo- .gismen, deren gemeinsames Prinzip eine biblische Vorschrift bildet, wie Kil 9! und Neg 112 u. s. Die Analogismen unterscheiden sich von den Parallelismen ־darin, daß es sich bei letzteren bloß um reine oder geänderte Wiederholungen