Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829933-2832918--46516-2832992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
389 selbst gegeben, oder bloß den Stoff geliefert, aus dem der Lehrsatz aufgebaut werden konnte. Der gebotene Stoff muß nicht selbst Lehrsatz sein, er kann eine Handlung, ein aktives oder passives Verhalten zum Gegenstand haben; Hier z. B. ist die Scheidewand zwischen zwei Höfen am Sabbat eingestürzt. Samuel gibt den Auftrag, daß man sie durch ein ausgespanntes Tuch ersetzen soll, Rab aber, der damals dort zu Gast war, wendet sein Antlitz weg, um damit auszudrücken, daß er mit der Ansicht Samuels nicht übereinstimme. Mit diesem Vorfall ist der Stoff zur mitgeteilten Kontroverse zwischen Rab und Samuel vollständig gegeben; sie mußte bloß in eine mitteilsame Lehrform gegossen werden. Wer die Form gegeben hat, wissen wir nicht, aber eines ist klar, daß wir es hier mit einem primären Satz zu tun haben, d. h. mit einem Lehrsatz, der nicht unbedingt aus einem andern Satz durch logische Gedankengänge abgeleitet werden mußte, sondern unmittelbar von den Tat- Sachen abgelesen wurde. Es kann selbstverständlich mitunter als erste Quelle auch eine Aeußerung, eine allgemeine Regel oder sonst ein Spruch dienen, aus dem der Satz ableitbar ist. Die mitgeteilte Kontroverse zwischen Rab und Samuel besteht also zweifellos auch in W i r k 1 i c h k e i t. Die Frage ist bloß, ob auch die schulmäßige Prägung der Form ihnen gehört oder bloß der bekannte Vorfall, in dem ihre Meinungsverschiedenheit praktischen Ausdruck gefunden hat. Wir könnten vielleicht, da es sich um eine Erscheinung handelt, die nicht vereinzelt vorkommt und vom quellenkritischen Stande pnnkte aus besondere Bedeutung hat, der Frage eine präzisere Form geben: Ist die Person, der ein Lehrsatz angehört, Autor oder Originator desselben. Im ersteren Falle würde ihm nicht bloß der Inhalt sondern auch die Form angehören, im letzteren hingegen würde ihm bloß der Inhalt angehören. Für den Talmud war die Erörterung dieser Frage deshalb von Wichtigkeit, weil ein Faktum oder eine Aeußerung nicht immer eindeutig ist. Er kann auch falsch verstanden worden sein. Aehnliche איתמר-Fälle sind noch: B. M. 36a: Eine Kontroverse zwischen Rab und R. Jochanan. Auch hier wird von Rab Chisda die Ansicht Rabs auf eine Tatsache zurückgeführt דהנהו גינאי דבל יומא הוו מפקדי וכר. B. M. 101a Rab und Samuel sollen hier von zwei verschiedenen Eventualitäten sprechen und die Ansicht Rabs wird hier auf einen praktischen Fall zurückgeführt דד,הוא דאתא לקמיה ררב ..♦ א״ל ויל שום ליה וידו על התחתונה• Rab sagt hier in seiner Entscheidung wörtlich dasselbe, was als sein Lehrsatz gegeben wird, der Unterschied besteht bloß darin, daß der Spruch Rabs in der Quelle im Rahmen eines praktischen Falles und als Ansprache erscheint, während ihm in der Lehrform die entsprechende allgemeine Fassung gegeben wird. Zu vergleichen ist noch Ghul. 111b, die Kontroverse zwischen Rab und Samuel. Der Nachweis des kasuellen Ursprungs wird auch hier bloß nach Rab geführt. Ob daraus der Schluß zu ziehen ist, daß gerade von Rab Vorgänge bekannt waren, in denen man die Quelle von Sätzen erblickt hat, die in seinem Namen gelehrt' wurden, möchte ich auf Grund der wenigen Daten nicht mit Entschiedenheit behaupten, besonders da im ersten Beispiel Erub. 94a ein Faktum aufgenommen ist, in dem beide, Rab und Samuel Vorkommen, und der Talmud auch hier die Formel gebraucht והא דדב לאו בפירוש איתמר אלא מכללא איתמר. Ohne איתמר eingeleitete unmittelbare Sätze sind: B. B. 40b אמר רבא והויא מודעה לחברתה 4 ♦ ♦ דההוא גברא דאול לקדושי איתתא וכו. Chul. 94a דאמר שמואל אסור לגנוב דעת הבריות ואפי'< דעתו של גוי והא דשמואל לאו בפירוש איתמר ..♦ דשמואל הוד, קעבר במברא ובר. Ebd. 95a רב אמר •מותרות משום נבלה ולוי אמר מותרות באכילה