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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 380

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Der hundertjährige Kampf um die Judenemanzipation in Rumänien (1825-1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 380 (sequence 4)
Language
German
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380 bürger anderen Glaubens. Die Proklamation schloß mit folgenden: Worten: ,,Bürger im Allgemeinen, welcher Nation auch immer, welcher Religion auch immer, Griechen, Serben, Bulgaren, Deutsche, Armenier, Juden, bewaffnet Euch, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und zur großen Tat uns zu verhelfen. Unser Vaterland ist das Eurige. Das alte System ist zu Grabe getragen worden, gleiche Rechte für uns alle!'4 Nach diesem Verfassungsentwurf wurde auch in diesem Fürstentum das ״Regulamentul Organic“ beseitigt und alle Religionsunterschiede aufgehoben. (Art. 47, Kodex Calimachi). Die politische Gleichberechtigung aller Bürger wurde bis auf eine einzige Ausnahme, daß die Juden nach einem alten Landesbrauch (Art. 45, Kodex Calimachi) keine höheren Staatsämter bekleiden dürfen, ausgesprochen. Dies war lediglich den Bojarensöhnen vorbehalten. Dieser liberale Verfassungsentwurf wurde auch bald in die Praxis umgesetzt. Der Jude Hillel Manoach wurde in den Bukarester Gemeinderat entsandt, was damals wie noch heute als eine sehr hohe Auszeichnung für einen Juden angesehen wurde. Diese politische Gleichberechtigung hat bald in den Herzen der Juden ein dankbares Gefühl für das Vaterland ausgelöst. An der großen Freiheitsbewegung in den Fürstentümern nahmen sie hervorragenden Anteil. In der Mutenia standen die Juden Daniel Rosenthal und Barbu Iscovescu an der Spitze der Bewegung, welche die Ideen der 48er Jahre unter die breiten Massen des rumänischen Volkes verbreitete. Ganz besondere Dienste leistete sowohl im Inals auch im Auslande Daniel Rosenthal, ein eifriger Mitarbeiter des hervorragenden Regierungsmitgliedes C. A. Rosetti. Er wurde mit einer besonderen Mission betraut und begab sich im Aufträge seiner Regierung nach Budapest, wo er verhaftet wurde und im Gefängnis starb. C. A. Rosetti klagte in einem elegischen Tone über seinen Freund und Mitarbeiter, der gelebt und gestorben sei, für ihn, für Rumänien. In der Moldau fehlte es ebenfalls nicht an jüdischen Freiheitskämpfern, die sich für das Rumänentum aufopferteh. So wird berichtet, daß der Jude Schaje Sender der einzige tapfere, verwegene Mann war, der sich ins russische Lager in der Nähe von Jassy schlich, dort Proklamationen unter die polnischen Soldaten verteilte und sie zur Vereinigung mit den Rumänen aufforderte. (Sentinella 1865). Ein anderer Jude namens Lazarica Zarajul hielt Jon Bratianu, den späteren Ministerpräsidenten, in seinem Hause mit Hintansetzung seines eigenen Lebens verborgen, in einer Zeit, wo die Russen auf den Kopf des Bratianu eine Riesensumme setzten. Die Juden haben also an den Befreiungskämpfen einen hervorragenden Anteil genommen und Gut und Blut für die Erneuerung des Rumänentums hergegeben. Hätte eine Konstituante die Verfassungsentwürfe in den beiden Fürstentümern bestätigt, Rumänien wäre in Bezug auf die Judenfrage Westeuropa um ein weites Stück voraus gewesen. Allein die revolutionäre Bewegung sollte für Rumänien und die Juden einen unglücklichen Ausgang nehmen. Rußland setzte es bei der

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