Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Nachbemerkung
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 3)
- Language
- German
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373 lasen und verehrten ja all jene andern alexandrinischen, religiös ergriffenen Kreise auch. Und ich möchte kaum glauben, daß aus der Anrufung Moses' in Zauberbüchern und dergl., aus Jao, Sabaoth und andern Gottesnamen, jemand schließen wird, daß der betreffende Text von Juden verfaßt wäre! Denn mit der Annahme eines allgemeinen ,,bedeutenden Einflusses** der Juden Alexandrias auf die synkretistischen Religionsformen und auch auf die Alchemie (was niemand bestreiten wird!) ist ja noch nichts über den Ursprung spezieller Stücke, die solchen Einfluß zeigen, gesagt. Da scheint mir Eisler zu schlußfreudig. 3. Dasselbe gilt für die Begründung des angeblich alchemistischen Gebrauchs von צרף — den Eisler ja ebenfalls am Schluß selbst preisgibt! Ueber seine neue Theorie steht mir kein Urteil zu, sehr einleuchtend aber scheint auch sie mir nicht. Eisler scheint überhaupt schwer zuzugeben, daß ein Wort, das ursprünglich eine ausschließlieh technische Bedeutung hatte (wie צרף), später sich abgeschliffen hat und einfach ganz allgemein zusammenfügen heißt. Es ist gefährlich, in jeder späteren Phrase die Urbedeutung eines Wortes finden zu wollen, wir müßten dann auch mit einer alchemistischen Deutung von מצרפין למנין und ähnlichen Wendungen rechnen! Eisler wird in seiner Annahme eines alchemistischen Bildes im צרוף האותיות des Jezirabuches irregeführt durch seinen Gebrauch des griechischen azot^eXov, Denn im Griechischen, wo der Doppelsinn Element und Buchstabe wirklich da ist, kann ein Zusammenfügen der azot^sta freilich unschwer einen alchemistischen Sinn die ]Elemente vereinigen haben. Im Hebräischen, wo die für alchemistische Deutung allein in Betracht kommende Bedeutung Elemente grade wegfällt, liegt aber zu solcher Auffassung gar kein Grund vor. Und selbst, wenn etwa (was wohl Eislers Meinung ist) Jezira nach einer griechischen Vorlage gearbeitet worden ist, bleibt es ja immer noch zu beweisen, daß der Uebersetzer einen alchemistisehen Terminus vorgefunden oder anzuwenden beabsichtigt hätte. Verständlich sind jedenfalls jene Gedanken von der Schöpfung der Welt durch die ,,Buchstaben** des Logos auch ohne alle Alchemie. 4. Ueber die Grenzen, innerhalb deren man mit mündlichen Ueberlieferungen, die ohne jede Spur im Schrifttum geblieben sind, rechnen darf, wird es schwer sein, sich mit Eisler zu einigen, der hier sehr optimistischen Methoden huldigt. Umfangreiche, durch lange Zeiträume gehende, mündliche Traditionen, die nirgends auch später schriftlichen Niederschlag gefunden hätten, wären im Bezirk der mittelländischen Kulturkreise erst noch nachzuweisen. Ein Terminus, der nirgends vorkommt, darf doch nicht einfach mit dem bekannten Sternchen versehen, in einem Riesenasyl der ,,mündliehen Tradition** untergebracht werden! 5. Was den Gebrauch des Wortes קבלה bei den Christen angeixt, so glaube ich, die Entwickelung dieses Sprachgebrauchs im letzten Kapitel meiner Arbeit deutlich genüg gezeichnet zu haben. Die Bedeutung von קבלה in dem alten, allgemeinen Sinne spielt nirgends im Sprachgebrauch der christlichen Mystiker eine Rolle, Eisler ist hier durchaus im Irrtum. Sie meinen, wenn sie von Kabbala reden,