Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Nachbemerkung
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
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374 wirklich jene Kabbala im prägnanten Sinne, und daß sie mit ihrer Berufung auf sie im Unrecht sind, ist eine andere Sache, deren Gründe ich hinreichend erklärt zu haben glaube. Kabbala im Sinne von Geheimüberlieferung, okkultem Wissen, ist eben nicht Kabbala im allgemeinen Sinne (wo das Element des Geheimen durchaus fehlt — die Tradition war mündlich, aber nicht geheim!), sondern im speziellen. Und daß Paracelsus etwa Kenntnisse auf diesem Gebiete der Kabbala gehabt hätte, die wir nicht in den in unseren Händen heute noch befindlichen Büchern und Handschriften der Kabbalisten aller Arten nachweisen und kontrollieren könnten —־ das freilich bestreite ich aufs entschiedenste. 6. Ich möchte schließlich noch diese Gelegenheit benutzen, um eine Ergänzung zu meinem Aufsatz S. 22 zu geben. In dem alten, aus vorgaonäischen Materialien redigierten physiognomischen Stück Raza de Razin im Sohar יתרו (über das ich in einem größeren Zusammenhänge monographisch gehandelt habe) findet sich als Zitat aus einem ,,Adamsbuch“ ספרא דאדם,\קדסאה II, 73a folgende sonderbare Stelle, die die Symbolik der 7 Goldarten für die Schilderung von Davids Aussehen benutzt: המינא בספרא דאדם קדמאה דאמרהכי: דיוקנקדמשיחא קדמאה לסיהרא. גוק דיליה והב ירקרק באנפוי, גוון דיליה והב אופיר בדיקניה, גוון דיליה והב שבא בגבינוי, גוון דיליד. זהב פרוים בקריצין דעל עינוי, גוון דיליה והב סגור בשערא דרישיה, גוון דיליה זהב מופו על חדוי בלוחא דעל לביה, גוון דיליה והב תרשיש על תרין דרועין. כל שבעה גוונין אליו הוו רשימין על כל אנון דוכתי דשערוי. ,,Im Adamsbuch1 habe ich gesehen, daß folgendes steht: Die Formen des ersten Messias2 (ähnelten) dem Monde. Seine Farbe war ירקרק- Gold im Gesicht, seine Farbe war Ophir-Gold im Barte, seine Farbe war Saba-Gold in den Augenbrauen, seine Farbe war Parwajim- Gold in den Wimpern über den Augen, seine Farbe war Sagur-Gold im Haupthaar, seine Farbe war tS^-Gold auf der Brust, auf der Fläche über dem Herzen, seine Farbe war Tarschisch-Gold auf den beiden Armen. All diese sieben Arten waren an all jenen Orten seiner Behaarung eingezeichnet.“ Diese Stelle, die David, obwohl er dem Mond (bei den Alchemisten dem Silber!) entspricht, in allen 7 Arten des Goldes strahlen läßt, scheint mir bei aller ihrer Undurchsichtigkeit doch auffällig und bemerkenswert. Daß die Rothaarigkeit Davids zur Goldsymbolik drängt, ist einleuchtend, und es ist noch merkwürdig genug, daß außer an dieser Stelle solche Goldsymbolik gegen die Mond-Relation nirgends auf gekommen ist. 1 Die 20 Hinweise, die sich im Sohar auf ein solches Adamsbuch finden, haben sehr verschiedenen Charakter. Manche, wie der hier erwähnte, machen den bestimmten Eindruck eines Zitates — von demselben Charakter ist auch eines über die Erscheinungsformen Elias II, 197a — anderen sieht der fiktive Charakter aus jedem Wort, besonders denen über kabbalistische Gebetsmystik. 2 Der Ausdruck, in dieser Weise im Sohar für David höchst selten, wenn überhaupt vorkommend, scheint auf einen apokalyptischen Zusammenhang zu deuten, in dem vielleicht auch von den Formen des zweiten Messias die Rede war? Die Relation David-Mond gehört zum eisernen Fonds der kabbalistischen Symbolik, und dürfte recht alt sein.