Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Terminologie der jüdischen Alchemie
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 7)
- Language
- German
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370 Konnotation des buchstabenmystischen siruf der ozoc/eia zu verstehen. Ebenso glaube ich für die weitverbreitete pseudepigraphische Verwendung eines Autornamens wie al Oabir oder Geber nunmehr eine bessere Erklärung geben zu können als die Zurückführung auf einen hypothetischen Titel wie *sefer gibbul oder *sefer gdbbal. Seit es mir gelungen ist, den innigen, durch persische Vermittelung zu erklärenden Zusammenhang zwischen der griechisch-ägyptischen Alchemde und den neu entdeckten babylonischen Alchemistentexten aus der Bibliothek des Assurbanipal zu erweisen1, ]iegt natürlich eine babylonische Ableitung eines Titels wie ״kitab al Gabir״Liber Geberte oder ,,Gebri . . . Liber Fornacum“ u. dgl. am allernächsten. Bekanntlich heißt sumerisch GAB-RI, akkadisch gabrü, gabarü, äthiopisch , geber ״Arbeit“ (opus) ״Exemplar“, ״Dokument“, ״Urkünde“, ״Ausfertigung“2 3, dann ״Abschrift“, ״Antwort“ (= Gegenbrief“). Die Annahme liegt nahe, daß man einen Autor Geber oder al Gabir aus Ueberschriften wie *ספר יגבר oder *״ כתב גברKopialbuch“, ״Urkundenbuch“, ,,Rezeptbuch“ oder dgl. herausgelesen haben könnte, als man das babylonische Lehnwort in der Ueberschrift der alten Rezeptbücher nicht mehr verstand. Im übrigen könnte man schließlich mit Carra de Vauxa trotz der gegenteiligen, sehr ins Gewicht fallenden^ Behauptung des Fihrist annehmen, daß ein Alchemist Abu Müsa al Gabir ibn B.aiyan} der Azdite, manchmal auch al TLarrani genannt und mit den Sabiern von Harran in Beziehung gebracht, geboren nach den einen in Tus, nach den andern in Tartus (Tortosa?), um 776 (= 160 A. H.) in Kufa lehrend, wirklich gelebt und eine literarisch sehr produktive Schule hinterlassen habe. Davon bleiben die Tatsachen ganz unberührt, die mich auch heute noch veranlassen, den Verfasser der zweifellos pseudepigraphisehen, nicht vor dem 13. Jahrhundert entstandenen lateinischen Geberschriften nach wie vor für einen Juden4 zu halten: dieser Adept ist zweifellos einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Naturforscher seiner Zeit gewesen, bei dem die empirische Forschung eine damals unerhörte Bedeutung gewonnen hat (S. 95 Anm. 173 D.), ein Mann, der seinerzeit in vieler Hinsicht weit voraus war. Mit Recht sagt E. Darmstaedter (S. 6), man könnte sich vorstellen, daß Roger 1 Z. B. K. B. III (I) 162—63' cod. VI 26—27 asumittu annltu gabare salalti diese Stelle enthält drei Urkunden“ oder Sc 328 (Kolophon) gdbri mal Ashirki mat Sumeri u Akkadiki ״Ausfertigung für Assur, Sumer und Akkad“. 2 Bin vorläufiger Aufsatz ,,der babylonische Ursprung der Alchemie“ erscheint demnächst in den ,,Münchner Neuesten Nachrichten“ und in der ״Chemiker-Zeitung“, englisch in ״The Open Court“ (Chicago) 1925• 3 Muhammadan Alchemy, Enc. Rel. Eth. I 289 f, (Edinburgh 1908.) 4 Von allen Geberschriften enthält nur die ״Summa Perfectionis“ — u. zw. nur an zwei Stellen — religiöse Formeln: c. 7 S. 22: ״Gott, der glorreiche, gewaltige, allgerechte und allgütige, der spendet und entzieht nach seinem Willen“ u. c. 100 S. 95: ״die Gnade Gottes, des Einzigen, Großen, Gepriesenen, Glorreichen, der nach seinem Willen spendet und entzieht“. Das kann ein Jude so gut wie ein Moslem geschrieben haben, bei einem Katholiken des 13.. Jahrh. würde man eine so betont unitarische Formel kaum erwarten.