Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Terminologie der jüdischen Alchemie
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 8)
- Language
- German
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371 Bacon, wenn er sich mit dieser Aufgabe beschäftigt hätte, ein derartiges Buch zustande gebracht hätte. Nun kommt aber Roger Bacon selbst — wie der Vergleich 'der Sprache sofort zeigt — als Verfasser der Geberschriften nicht in Betracht. Weder er noch Albertus Magnus kennen den lateinischen ,,Geber", der umgekehrt selbst nicht einen einzigen, weder griechischen noch lateinischen, ägyptischen oder arabischen Alchemisten zitiert, somit sein Autodidaktentum stolz hervorkehrt (S. 29 Darmst.). Wenn ein so großer Geist ein Christ, dann natürlich ein Kleriker aus der Zeit und dem Kreis Alfons des Weisen gewesen wäre, mit andern Worten, wenn der als Uebersetzer genannte Roger von Sevilla der Verfasser dieser Bücher war, so müßte man unbedingt allerhand über sein Leben wissen. Wäre er ein Araber gewesen, warum sollten seine Schriften niemals in der arabischen Urfassung aufgetaucht sein, während die weit unbedeutenderen Werke des viel älteren Gabir arabisch so oft abgeschrieben wurden? War er dagegen ein spanischer Jude jener Blütezeit jüdischer Philosophie und Wissenschaft, so würden sich alle diese Umstände ohne weiteres erklären. Auf keinen Fall haben die in ihrer Art streng methodisch nüchternen chemischen Untersuchungen des lateinischen ״ Geber“ mit Qabbala irgend etwas zu tun. Sie gehören in die Geschichte der Wissenschaft, nicht in die der Mystik:' Nachbemerkung. Von Dr.[‘ Gerhard Scholem in “Jerusalem. Zu Dr. Eislers vorstehenden interessanten Ausführungen seien mir einige Worte gestattet: 1. Die Etymologie von פלפפיתא (nun also פלפיפתא zu lesen) scheint mir von Eisler erbracht zu sein, und ich freue mich, ihm für diese willkommene Aufklärung Dank sagen zu können. Ihre Richtigkeit leuchtet wohl von selbst ein, und wenn auch für die übrigen schwierigen Worte solcher Art im Sohar, von denen ich in dieser Zeitschrift eine Liste vorlegen werde, in ähnlich befriedigender Weise Erklärungen gefunden werden können, so wird das Soharproblem bald mit sehr anderen Augen betrachtet werden. Eisler hätte noch darauf hinweisen können, daß die Erklärung, die der Sohar II, 224b von סוסיפתא gibt: ם' דדהבא דאיהו היתוכא דילידז seine Etymologie bestätigt (התלכא ist dann eben wirklich wörtlich Auflösung, Verwesung, nicht wie ich p. 271 schrieb, Schmutz) und also nicht nur beweist, daß dem Schreiber dieses Stückes ein alter Terminus aus der Vorzeit überliefert war, sondern daß er ihn auch noch genau verstanden hat. Andererseits aber ist hervorzuheben daß der Gebrauch dieses Symbols im Sohar eben nicht in der Richtung liegt, in der Eisler die Rolle der putrefactio bei den alten Alchemisten bespricht: daß die Metalle aus dieser Verwesung פלפיפתא wieder auf erstehen können, und etwa in edlerer, verklärter Wesenheit — diese Wendung der Symbolik ist dem Sohar durchaus fremd: Im Sohar ist die פלפיפתא nicht mehr ein Uebergangsstadium in der Verwandlung, wie in der Alchemie, 24*