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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 369

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Zur Terminologie der jüdischen Alchemie
Date
1925-01-01
Page
Seite 369 (sequence 6)
Language
German
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369 Dezemberheft dieser Zeitschrift beweisen werde — schon im Alten Testament als alchemistisch - metallurgischer Kunstausdruck vorkommt. Ich bin jedoch durch neuere Untersuchungen selbst zu einer etwas anderen Anschauung gelangt: die Bedeutung ,,Kleingeld in großes Geld einwechseln“ für saraf — so heißt heute noch der Geld- Wechsler, ursprünglich der Goldschmied und Scheidekünstler, im ganzen Orient — braucht nichts mit der Vorstellung des Einwechselns, bezw. ,,Verwandelns“ von Kupfer in Silber oder Gold* 1 zu tun haben. Das ursprüngliche Kleingeld2 ist das ,,Scherflein“, der ,,Schilling“ (skilling), das xeppa, das Hacksilber, das vom Großgeld abgespaltene, das vom saraf wieder zu Großgeld, d. h. Barren zusammengeschmolzen und dabei geprüft, ״beschaut“, allenfalls — wenn verfälscht — vom Goldschmied (babyl. sarapu) neu geschieden wird3. צרף ist also technisch ,,zusammenschmelzen“; ,,legieren“4—- ״scheiden“ nur insofern, als das Gold aus Elektron durch die den Alten wohlbekannte Kupellierung, d. h. durch Zusammenschmelzen mit Blei rein gewonnen wird. Das erklärt, daß der Ausdruck in einer Literatur, die über rein technische metallurgische Anweisungen von der Art der Rezepte des Papyrus Holmiensis u. dgl. weit hinausgewachsen ist, keine Rolle mehr spielt, ohne daß dadurch die Möglichkeit abgeschnitten würde, die ,,chemische“ ja beliebige Lehrtraditionen überhaupt קבלה heißen. Wie sollte denn auch ein Jude magische und technische Geheimüberlieferungen, ja Handwerks־ geheimnisse — auch wenn sie mit dem, was der Religionshistoriker spezifische ״ Qabbala“ nennt (d. h. mit mystischer Schriftauslegung), gar nichts zu tun hatten — anders als קבלה nennen? Es ist irreführend, von vornherein die Angaben z. B. des Paracelsus, daß er aus ,,Kabbalistischen Schriften“ Alchemie gelernt habe, als ״Mystification“ zu behandeln. ,,Qabbalistische“ Schriften sind für den Außenstehenden alle Aufzeichnungen jüdischer Geheimüberlieferungen, jüdischen ,,okkulten“ Wissens überhaupt; hebräische astrologische, i atro magische, chiromantische u. dgl. Hss. fallen ohne weiteres unter diesen weiteren, natürlichen, nicht wissenschaftlich willkürlich beschränkten Begriff der Qabbala. Und Dinge dieser Art haben Paracelsus, Trithemius u. a. zweifei־ los benützt! 1 Babylonisch sarpu ist ,,ursprünglich jedes Edelmetall“ (Muss-Arnold, Assyr. Wwb. 894a), dann aber vor allem Silber. Günther Ipsen, D. alte Orient u. d. Indogerm., Stand u. Aufg. d. Sprachwiss.; Streitberg Festschr., Heidelberg 1924, S. 230 bringt es etymologisch mit dem nicht indogermanischen und nicht semitischen Namen des Silbers (slav. srebro, germ. silubhro uws.) zusammen; sarapu könnte dann denominativ ,,in Silber“ bezw. Edelmetall ,,verwandeln“, d.h. ,,läutern“, ,,veredeln“ bedeuten. Auch die babylonische Bedeutung ,,kaufen“ ״erwerben“ für sarapu (vgl. deutsch ״versilbern“ für ״verkaufen“) wäre so zu verstehen, uiid ebenso die von ״Kleingold in Edelmetall Großgeld verwandeln“, 2 S. Rob. Eisler, Das Geld, seine geschichtliche Entstehung und gesellschaftliche Bedeutung, München 1924, S. 129 f., Bild 64. 3 Ebenda S. 132 f. zu Bild 65 u. S. 133 über mebaser Jerem 627 dem römischen pecuniae, aeris spectator (ebenda S. 201), von (arab.) basar ״spectare“ // bohan von ägypt. bahan, griech. ßaaavo«; Basalt Probierstein. Die ganze Stelle ist metallurgisch wichtig, die Blei-, Kupfer- und Eisenleute sind im Zusammenhang mit der S. 367,1 angeführten phönikischen Ueberlieferung bei Plato zu verstehen. 4 Man könnte meinen, daß davon die Bedeutung ״verschmelzen“, ״verknüpfen“ für צרף abzuleiten wäre, aber serif ״Geflecht“, ״geflochtenes Zelt“ scheint doch auf eine unabhängige, ursprüngliche Bedeutung ״binden“ zu •deuten, von der ״legieren“ abgeleitet ist. Monatsschrift, 69. Jahrgang. 24

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