Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Terminologie der jüdischen Alchemie
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 5)
- Language
- German
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368 Geber konnte diese Verballhornung auf spanische, bezw. siziliscbneapolitanische Aussprache zurückgeführt werden, die Vokalisation darauf, daß der Lateiner an einen ,,geber“ (persischen Feuerpriester), wie den ,,Magier“ und Alchemisten Ostanes gedacht habe1 2 (Liber practicus Geberis philosophi regis Persarum“ ist eine Oxforder Hs. überschrieben). ]Daß der Herausgeber der nicht für Fachleute bestimmten Zeitschrift ,,The Quest“ mit Rücksicht auf seine Leser alle Anmerkungen meiner ausführlichen Besprechung der Darmstaedterschen Geber-Uebersetzung gestrichen und auch den Text selbst stark gekürzt hat, hätte Scholem zusammen mit den weggefallenen Belegen leicht von mir erfahren können, bevor er mir ohne weiteres ein ,,schlechtbegründetes Aper9u“ vorwarf. Daß das hebräisch-babylonische Lehnwort צרף sarapu2 ein alter metallurgischer Terminus nicht nur für Metalläuterung und Scheidung, sondern auch für die ״Metallverwandlung“ gewesen sei, hatte ich aus der Tatsache erschlossen, daß צרף nicht nur ״schmelzen“, ,,läutern“, ״scheiden“, sondern auch ״Kleingeld in großes Geld“ — also Kupfer in Silber und Gold — ,,umwechseln“, ״umsetzen“ bedeutet, zusammengehalten mit dem seltsam chemisch-physikalischgeldtheoretischen Fragm. 90 (Diels) des Heraklit3 und der merkwürdigen Theorie vom weltbildenden siruf der aror/eta im Buch Jesira. Daß der Ausdruck in den erhaltenen späten, nunmehr von Scholem beigebrachten und untersuchten Texten nicht gefunden wird, ist kein Gegenbeweis, da erstens viel, viel mehr und viel ältere Rezepte vorhanden waren, als wir heute besitzen, und vor allem in allen mystisch ־ magischen Dihgen mit einer umfangreichen qabbala seVal pe zu rechnen ist4, zweitens aber, weil das Wort צרף — wie ich im 1Die phonetischen Bedenken Scholems (S. 182) sind deshalb an sich gegenstandslos. Das dem Lateiner — nach dem Kolophon einer von E. Darmst&edter, Chem. Zeit. 1924, Nr. 8ל S. 442 besprochenen Bologneser Hs. und nach einemNürnberger Druck von 1541 einem gewissen ״Rodogerus Hispalensis“ Roger von Sevilla—vorgelegene Original war doch keinesfalls vokalisierti Nebenbei bemerkt ist dieses verderbte bezw. verlesene Kolophon leicht zu emendieren: es soll heißen ״explicit Uber fornacum Jeberis ibn Galid dl Umawi tränslatus anno Arabum 720 per Hodogerum Wspalensem“. Gdbir wird ״a? Umawi“ — der Omajade — und ״rex Ardbzwi“ genannt, weil eine Ueberlieferung (s. Carra de Vaux, Art. ״Muhammadan Alchemy“ in der Encycl. Reh Eth. I, 289 f.) ihn zum Schüler oder gar Sohn des ältesten arabischen Alchemisten ,,Cdlid rex Aegyptiorum“ — d. h. des Prätentanten Salid ihn Yazld ibn Mriäwiga (Lippmann, S. 357 f.) — gemacht hat. 2 Höchst bezeichnenderweise heißt babylonisch sarapu einerseits ״schmelzen״läutern“ (nasraptü ״Schmelztiegel“), andererseits aber ״färben“ (sirpu gefärbte Wolle, gefärbtes Tuch). Hieraus erklärt sich jetzt nach dem neuen Fund älchemistischer Keilschrifttafeln der ägyptisch-hellenistische Gebrauch des Wortes ״Färbung“ (s. o. S. 365) im metallurgisch-alchemistischen Sinn. 3 TCOpoc avxc׳p.01ß־/j xa irdvxa ■ xat dop axavicov oxataxep ypoaoo xal 7poaöt;. 4 Scholem vergißt (S. 13 :f.) bei der Erörterung des losen, von seinem (wohl berechtigten) Standpunkt aus mißbräuchlichen Gebrauchs des Wortes Qabbala ganz, daß das Wort — neben seiner prägnanten religions-geschiehtliehen Bedeutung —* doch auch von Anfang an den g an z allge me inen Sin n : (geheim, mündlich) ״U e b e r k o m mene s“ hat. Es ist ihm natürlieh bekannt, daß in der Mischnah selbst die Propheten und Hagiogräphen,