Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Terminologie der jüdischen Alchemie
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 3)
- Language
- German
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366 Die Alten, die Vorgänge in der organischen Natur nicht von solchen in der anorganischen Materie unterscheiden, haben natürlich keine scharfen Termini für Oxydation, Reduktion, Krystallisation, Bildung von Salzen, Sulfiden, Erden, Kolloiden u. dgl., sondern beschreiben die chemischen Vorgänge bei dem, was sie für Metall- Verwandlung halten, mit Ausdrücken, die aus der Erfahrung des technischen Alltagslebens, wir würden sagen, aus der Küchenchemie hergenommen sind: Zerfall, Verflüssigung, das Gestaltlos-, Glanzlos-, Schwarz- und Erdigwerden eines vorher glänzenden, geformten Stoffes ist ihnen einfach ein ,,Zusammenfaulen“, ,,Verwesen“. Aus dem ״Zusammengefaulten“, ״Verwesten“ wollen sie — wie Würmer oder Pflanzenkeime in faulender Materie durch generatio aequivoca zu entstehen scheinen1 — auch metallurgisch neues, verwandeltes Wesen heranwachsen lassen. Sie halten die Verunreinigungen, mit denen versetzt die Metalle als Erze gefunden werden, die Metalloxyde,-sulphate,-salze für ״Verwesungsprodukte“ des reinen Metalls und meinen, daß alle Metalle schließlich zu dem gleichen schwarzen Humus, dem reXeiov fieXav, ägypt. KHMI zerfallen, bezw. verfaulen und daher folgerichtig aus dieser sussipta aüaayjnryj üX7j wieder auferstehen können; u. zw. gegebenenfalls in einer gtragopcpmaic:, in edlerer, höherer, verklärter Wesenheit — eine Auffassung, bei der die sjunbolischen Beziehungen zu religiösen Auferstehungsmysterien (Osiriskult!) von vornherein durchsichtig sind. Aus der Erfahrung, daß Fäulnis durch Zusatz einer kleinen Menge faulenden Stoffes auf eine große Masse nicht faulenden Stoffes übertragen werden kann, leiten sie den oben aus Dioskurides belegten Begriff der arptxij —> in heutiger Sprache des ״Fäulniserregers“ — ab, der eine gewisse Verwandtschaft mit dem des ״Fermentes“ (Sauerteigs, Enzyms) aufweist. In der Tat wird der Vorgang der Metallverwandlung von den griechischen Alchemisten auch als eine Gärung (Goldgärung, Silbergärung u. dgl.)2 aufgefaßt. Das Gemisch, aus dem der Adept das Edelmetall gewinnen will, ist der ״Teig“ (pasta, pä&), bezw. das ״Ungesäuerte“ ('azymum). Das Projektionspulver, Elixier o. dgl., das ihn veredeln soll, ist das Ferment (ßpj o. dgl.). Ein solcher ״Teig“ wird z. B. bei Pammenes und Maria3 aus den vier unedlen Metallen Kupfer, Eisen, Blei, Zinn bereitet und soll dann durch das ,,Ferment“4 5 in Silber und Gold übergeführt werden. Aus der Tatsache, daß das jüdisch-alexandrinische alchemistische Mosesbuch6 a. a. 0. das ganze Geheimnis der Chemie unter dem 1 Geber a. a. G., S. 27, Anm. 17 (S. 139). 2 Lippmann 80, 326s; Darmstaedter, S. 181250, 189 Z. 2. Vgl. unter fermentum (fanare, solare) im Glossar, S. 188; über die alchemistische Mcdüösux; pd£a s. B e r t h e 10t, vol. II 182, 183. 3Lippmann, S. 474. 4 L i p p m a n n 80, 84. 5 Scholem irrt, wenn er S. 17 sagt, das überaus inhaltsreiche Buch von L i p p m a n n enthalte .überhaupt nichts über jüdische Alchemie. (Vgl. vielmehr S. 308—310 und im 3. Register S. 712 die vier Zeilen von Zahlen s. v. ״Juden“!) Die ״Moses“־ und ״Maria“- (LXX-