Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Zur Terminologie der jüdischen Alchemie
Date
1925-01-01
Page
Seite 365 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829933-2832913--46485-2832968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

365 suspiratum ,,ausgedunstetes“ vor. Diese Ableitung befriedigt ihn offenbar selbst nicht. Abgesehen davon, daß die Kabbalisten, ,,die nicht mehr latein verstanden“, dann das Wort mißverstanden haben mußten, ist suspirare überhaupt kein alchemistischer Aus■־ druck und ein Verdampfen, Sublimieren des Goldes keine nachweisbare Praktik des ,,großen Werkes“. Die Bedeutung ,,Goldausdünstung“ würde an den angeführten Zoharstellen gar nicht passen. Ueberhaupt ist an ein lateinisches Wort gar nicht zu denken, sondern die Lösung des Rätsels ergibt sich — sehr lehrreich für Alter und Herkunft des Begriffes! — unschwer aus dem Griechischen: dabei ist davon auszugehen, daß nur der Konsonantenbestand des Wortes ursprünglich ist, während die matres lectionis nachträglich zur Erleichterung des Lesens des schwierigen Wortes zuerst über geschrieben und dann erst gelegentlich vonAbschreibern an falscher Stelle eingefügt wurden1: auG-a7)maba1 heißt ,,zusammenfaulen“, das Substantiv gügg^cz kommt bei den Geoponikern vor; Gynroc heißt ,,verfault“, G7)7zri] ist bei Dioscurides ein Fäulnis bewirkendes, daher homoiopathisch Fäulnis heilendes Mittel: hiernach ist סוסיפתא G1>GG7]nz7j (seil, BXy), hebr. sussipta zu lesen, (das ,,Verfaulte“ bezw. die ,,zusammengefaulte Masse“). Daß diese Bedeutung ,,die Verwesung“, ,,das Verweste des Goldes“ an allen von Scholem angeführten Zoharstellen vortrefflich paßt, bedarf keiner weiteren Erörterung, wenn man nur zum sachlichen Verständnis beachtet, daß G7j(ptz ,,große Fäule“, ,,große Fäule der Isis“2, ,,große Verwesung“ u. dgl. die Kunstausdrücke zur Bezeichnung der großen, grundlegenden Operation sind, die aller Metallverwandelung vorangehen muß: durch allerlei Salze, Essig, Pflanzensäfte, bezw. durch eine ,,schwarze Brühe“ aus dgl., müssen die Metalle in den Zustand der Urmaterie zurückgeführt werden, die selbst ganz und gar formlos, eigenschaftslos, chaotisch dunkel, schwarz ist, aber eben deshalb durch die folgende Färbung (,ßa<pi]) zu Kupfer gerötet, zu Silber geweißt (huxcoGcz) und zu Gold ,,gegilbt“ werden kann. Noch bei den mittelalterlichen Alchemisten ist putrefactio3 ,,Faulung“, ,,Verwesung“ die übliche Bezeichnung für die Behändlung, Lösung u. dgl. von Substanzen in der Wärme; corruptio ,,Verwesung“ — im Gegensatz zu generatio ist ein gleichbedeutender, nur etwas umfassenderer Ausdruck. 1 Ein ähnlicher sehr früher Fall ist jetzt von E. L. D i e t r i c h in seiner Untersuchung des Ausdrucks שרב שברת Beih. Z. A. T. W. 40, S. 28 ff. genau untersucht worden. Gerade bei griechischen Lehnworten ist dieser rein graphische Vorgang häufig: es gibt keine phonetische Erklärung dafür, wenn z. B. םיבנט1רין simantorin für griechisch ay^avTyjpiov vorkommt. Der Vorgang erklärt sich vielmehr graphisch dadurch, daß das ר an falscher Stelle eingefügt worden ist und in Wirklichkeit (itazistisch) simantlrion gesprochen wurde. םי*לרן für aeXXtov, gemeint ם?י1ן; oder סילרן (silon) au>X7]v ״Rinne“, lies ם1לץ; usw. 2 G. Hoffman n־Kiel, Artikel ״Chemie״ in L adenburgs ,,Hand- Wörterbuch der Chemie“, Breslau 1884, Bd. II, 517; v. Li p p m an n , Entstehung u. Ausbr. d. Alchemie, Berlin 1919, g. 302. 3 E. D armstaedter, Die Alchemie des Geber, Berlin 1§22, Glossar S. 192 s. v.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.