Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 16)
- Language
- German
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352 Lächeln des Kindes bei der Geburt (V. 60 der Ekloge)1 sich auch bei Zoroaster findet (Weber 107), und es ist vielleicht kein Zufall, daß bei der Geburt Buddhas junge Löwen unschädlich werden und überhaupt die Natur Anteil nimmt (S. 115 f.)• Auch daß man den Weisen gern als übermenschliches Wesen ansah und in ihm die Unschuld des Urmenschen wieder aufleben ließ, wäre leicht noch eingehender zu zeigen als Weber es tut. Aber für die Frage nach den etwaigen Vorläufern der prophetischen Erlöserhoffnung ergibt sich kaum ein Anhaltspunkt. Weber (S. 994) legt Gewicht darauf, daß auch bei Jesaja, wie in der Buddhalegende (S. 89), ein Seher vor dem König steht und daß der Vater des Immanuel bei Jesaja nicht genannt ist; wenn ,,auf seiner Schulter die Herrschaft liegt“, so bedeutet das die ״Auszeichnung seines Körpers durch herrliche Merkmale“ (S. 137 unter 3), die als Zeichen der Zeugung durch die Sonne in der buddhistischen Legende gilt; nicht der Mythos von einem ,,Gotteskinde“, also einem kindlichen Gottwesen wie Har, sondern der von einem ״Herrschergott“ und seiner göttlichen Zeugung schwebt (nach Weber) dem Propheten vor, ist jedoch von ihm ״seinen Anschauungen“, die ״keine weitergehende Mythologisierung vertrugen“, angepaßt worden. Man sieht: die einzige bezeichnende Uebereinstimmung zwischen der Jesajastelle und den Erzählungen von der Geburt der Wundermänner bestünde in der Auffassung des ״Zeichens der Herrschaft“ — wenn sie erwiesen oder auch nur möglich wäre. Sie traut Jesaja zu, daß er den Mythos von der fleischlichen Zeugung des Erlösers durch eine Gottheit als bekannt und berechtigt anerkannt hätte — während gleichzeitig das Fehlen der unzweifelhaft mythischen Züge aus der Gegnerschaft desselben Jesaja gegen die Mythologisierung hergeleitet wird. Ehe man zu solchen Widersprüchen greift, wird man sich bei der üblichen Erklärung beruhigen, daß das Symbol — etwa der Mantel — der Herrschaft auf der Schulter des Erlösers liegt. — Immerhin können für den Bibelforscher, den nicht nur Jesajas Vorstellungswelt, sondern auch diejenige seiner Hörer interessiert, Nachweisungen wie diejenigen, die Weber zusammenstellt, bei kritischer Sichtung und Weiterführung von Wert werden. Es wäre denkbar, daß die Vor- Stellung eines wunderbaren Weisen bereits im 8. Jahrhundert im Orient vorhanden war und auch von solchen israelitischen Kreisen, die ihre mythische Ausdrucksform verwarfen, soweit geteilt wurde, daß sich Jesaja auf sie beziehen konnte; falls also etwa die Attribute des Immanuel nicht an höfischen Huldigungsstil anknüpfen sollten, sondern an das Lob weiser Männer, so wären sie im Hinblick auf den späteren Sprachgebrauch von אלד!י vom Weisen und auf die Ehrfurcht, die gegenüber dem Lehrer gefordert wurde2 * * *, gut erklärlich. 1 Falls nämlich dort qui non risere parenti (statt cm n. r. parentes) zu lesen ist; doch vgl. gegen Norden Deu b n e ry Gnomon I 166.? Pirqe abot IV 12: ״Es sei dir die Ehrfurcht vor deinem Lehrer wie die Ehrfurcht vor Gott‘6• Auch bekannte palästinische und hellenistischjüdische Aussprüche über Elternehrung, die der Ehrung Gottes gleichsteht, gehören wohl hierher, da man in den Eltern vorwiegend die Erzieher sah; ־vgl. Heinemann, Schriften der jüd.-hell. Literatur II 170, 2.