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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 351

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Messianismus und Mysterienreligion
Date
1925-01-01
Page
Seite 351 (sequence 15)
Language
German
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351 Ekloge Weber mehrfach betont1, waren ,,Kenner der Kultur des Ostens"; daß zu den orientalischen Religionen, die gelehrte Zeitgenossen des Dichters kannten, das Judentum gehörte, hat gerade Norden2 eingehend erwiesen; und zu den biblischen Bildern, nicht nur das vom Tier f r i e d e n , sondern auch der Heilszeit gehört auch das Verschwinden des Unkrauts und seine Ersetzung durch Edelgewächs3. Weshalb weiterhin die heidnische Sibylle nicht von ihrer römerfeindlichen jüdischen Kollegin gelernt haben soll, ist gleichfalls nicht einzusehen. Trotzdem ist die Annahme irgendwelchen orientalischen Einflusses zur Erklärung der Uebereinstimmung mit Jesaja m. E. ganz überflüssig. In Nordens Untersuchung4 stehen ganz bescheiden unter dem Text zwei Dichterstellen: eine aus Aristophanes: ,,nicht eher wird Frieden werden, als bis der Wolf das Lamm freit", eine aus Theokrit: ״es kommt ein Tag, da der scharfgezähnte Wolf dem schlafenden Hirschkalb nichts zu leide tut." Weder Norden noch sonst jemand, der antike Utopien kennt — die Geschichte vom Schlaraffenland steht bekanntlich bereits bei einem attischen Komiker —möchte hier an Entlehnung eines ägyptisehen Mysteriums denken. Vielmehr ist das Bestreben, die Natur gleichsam dem Ergehen des Menschen anzupassen, allgemein menschlieh und im besonderen aus Griechenland — dafür gibt Norden 58 einige Parallelen — und aus Palästina bezeugt5; aus ihm ließe es sich befriedigend erklären, wenn Jesaja und — in anderer Weise! — Aristophanes dem Menschenfrieden den Tierfrieden zum Hintergründe gibt und Vergil nicht nur den Menschen, sondern auch die Tiere von Sorge befreit. Eher verspricht das umfassende Material, das Weber vorlegt, die Aufdeckung größerer kulturgeschichtlicher Zusammenhänge. Während sich Norden im wesentlichen auf Aegypten und die eigentliehe Göttersage beschränkt, zieht Weber die altgriechische Vor- Stellung vom Weisen als ,,unsterblichem Gott" (85 f.) und vor allem persische und indische Legenden über die wunderbare Zeugung und Geburt des Weisen (84! und 89) heran. Von hier aus fällt auf Vergil unzweifelhaft starkes Licht — noch stärkeres, als im Rahmen unserer Besprechung gezeigt werden kann. So gewinnt die von Norden S. 65 nicht ausgewertete Tatsache Bedeutung, daß das 1 Weber S. 90 ff. Leider f e h 11 ein I n d e x , so daß sieh die anderen Stellen schwer nachschlagen lassen! 2 Festgabe von Fachgenossen Harnack dargebracht 292 ff. Die Einwände, die ich (an anderer Stelle) gegen seine Strabonanalyse machen werde, ändern nichts am Hauptergebnis, soweit es für uns in Betracht kommt. Uebrigens hatte Norden selbst früher (N. Jbb. 1913, 6574) Einwirkung der Jesajastelle mit großer Bestimmtheit angenommen. 3 Jes 5513: Statt des Dorngeheges wird die Zypresse aufsteigen, statt des Unkrauts die Myrte. 4 S. 52, 1: Aristophanes Frieden 1075 f.; Theokrit Herakliskos 86 f. 3 Einiges über ״die Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen des Menschen" hat V. Aptowitzer MGWJ 1920, 227 ff. zusammengestellt. Der gleiche Gelehrte bereitet eine umfassende Arbeit über dies Thema vor und hat mir gestattet, das von ihm gesammelte hellenistische Material zu vervollständigen. Ich möchte daher an dieser Stelle Nordens Parallelen nicht ergänzen.

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