Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 14)
- Language
- German
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350 Unheil verkündet. Eine solche Ableitung ist jedenfalls möglich; keinesfalls kann also die jüdische Volksvorstellung als mittelbares Zeugnis für das Vorhandensein eines heidnisch-orientalischen Erlösungsmythos angesehen werden. Und auch die Jesajastelle über Immanuel setzt keineswegs einen heidnischen Mythos von einem göttlichen Erlöserkind voraus. Gewiß heben die Attribute אל גב1ר, אבי עד den Erlöser über Menschenmaße hinaus1 — wenn auch darüber erfreulicherweise Ueberein- Stimmung zu herrschen scheint, daß sie Jesaja2 nicht in rein mythischem Sinn verstanden haben kann. Aber die Vermutung, daß seine Redeweise durch nicht jüdischen Huldigungsstil bestimmt sei, liegt sicherlich nahe, zumal wenn man bedenkt, daß das mittelhebräische Äjektiv אלחי göttlich unter arabischem Einfluß (gebildet und) von unzweifelhaften Anhängern des strengsten Monotheismus auf Mensehen jeden Bekenntnisses angewandt worden ist3. In der Tat sind in Aegypten ,,Prädikate wie: der große Gott, Herr über die Unendlichkeit, Fürst der Ewigkeit“ ganz geläufig (Greßmann 282) — aber nicht von halbmythischen Wesen, sondern vom irdischen Herrscher. Ihre Anwendung auf Menschen in der Bibel ist allerdings äußerst selten (Greßmann 256 ff.), aber doch nicht auf messianische Texte beschränkt4. Nicht der leiseste Anhaltspunkt spricht also dafür, daß die ägyptische Darstellung glücklicher Zeiten den Boden des Realen verlassen und neben den Herrscher ein überirdisches Wunderkind gestellt habe5. Unter Nordens Belegen für ägyptischen Kinderkult6 steht kein einziger mit eschatologischen Schilderungen in Verbindung. An diesen Feststellungen kann natürlich auch die Heranziehung eines lateinischen Textes des letzten vorchristlichen Jahrhunderts nichts ändern, zumal mittelbarer Einfluß biblischer Vorstellungen auf Vergil trotz Nordens sehr temperamentvoller Ablehnung durchaus möglich ist: die XV viri sacris faciundis, deren Einfluß auf unsere 1 Die Schwierigkeit geht am besten aus der Tatsache hervor, daß dey Tärgum und die mittelalterlichen jüdischen Erklärer sich dagegen sträuben, diese Attribute auf das Kind zu beziehen. Dagegen scheint man (z. B. Kittel S. 12) auf ״Milch und Honig“ zu viel Gewicht zu legen. Darin hat Greßmann 212, ,1 sicher Recht, daß der Ausdruck nicht überall ,,Götternahrung“ bezeichnet. 2 Neuere Zweifel an der Echtheit der Stelle beschäftigen uns hier nicht• Öenn ״prophetisch“ im edelsten Sinne ist diese Weissagung in jedem FalL Ueber־ dies hat doch der Name ״Gottmituns“ nur einen Sinn, wenn sein Träger zu!,uns“ gehört, also durchaus Mensch ist. 3 Die Anwendung des Adjektivs, das in seinen beiden Bedeutungen genau entspricht, scheint nach Ben Jehudas Thesaurus s. v. auf den arabischen Kulturkreis beschränkt zu sein und sich vorwiegend in Ueber- Setzungen zu finden. 4 Für die Beziehung von Psalm 45כפאר אלהים עולם רעד ד auf den König hätte sich Greßmann nicht erst auf Gunkel, sondern bereits auf — Rasch! berufen können. 5 Im Gegensatz gegen Kittel treffe ich mit Weber 99, 4 zusammen; doch vgl. das im Text folgende. 6 S. 3ל ff. über Har. ־ ־