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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 348

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Messianismus und Mysterienreligion
Date
1925-01-01
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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348 Nun ist zwar bei Vergil nicht von einem friedlichen Zusammenleben der zahmen und der wilden Tiere die Rede, sondern ״die Herden werden den Löwen nicht fürchten; vergehen wird die Schlange und das trügerische Giftkraut; assyrische Unschuldsstauden1 werden überall erwachsen"; es wird also der Untergang alles Schädliehen geweissagt. Aber gerade diese Abweichung im einzelnen beweist nach Norden (51 ff.), daß nicht Jesaja oder die ihm folgende jüdische Sibylle (III 748 ff.) auf Vergil gewirkt hat; vielmehr ist, da Zufall ausgeschlossen scheint, die Nachwirkung derselben ägyptisehen Mysterien anzunehmen, denen auch Jesaja — bei aller Selbständigkeit in der Formung — doch seine Bildersprache zu verdanken scheint. Die Forschungen, auf die sich Norden bezieht, haben von Hugo Greßmanns Buch ״Der Ursprung der israelitisch-jüdischen Eschatologie" (1905) ihren Ausgang genommen. Während namentlich Wellhausen das Vorhandensein vorexilischer Messiashoffnungen bestritt und die messianischen Stellen der älteren Prophetenbücher samt und sonders für unecht erklärte, erwies Greßmann, daß der Glaube an einen ״Tag Gottes" nicht nur vorexilisch, sondern insofern ״vorprophetisch" ist, als bereits Arnos diesen Begriff als seinen Hörern bekannt voraussetzt. Der ״prophetischen" Stufe der Heilshoffnung liegt also eine ״volkstümliche" voraus, für welche der Tag Gottes (nach Arnos &18 ff.) lediglich ein ״Tag des Lichtes" für Israel war. Erst die Propheten haben ihn zu einem Tage־ gerechten und furchtbaren Gerichtes gemacht und dadurch die volkstümliche Idee unerhört vertieft, auf der gegebenen Klaviatur ihre eigene Melodie gespielt (Greßmann 152 ff.). Aber auch die Volkstümliche Stufe ist nicht die älteste. Sie beruht nach Greßmann auf der Erwartung großen ״Heils" und ,,Unheils", die wir in manchen ägyptischen und babylonischen Texten finden. Mittelbar haben diese n i c h t j ü d i s c h e n Vorstellungen auch auf die prophetische Stufe gewirkt; der ״Hofstil" und der ״eschatologische Stil" der Sprächen der Weltreiche erklärt manche etwas überschwenglich klingende Wendung der Bibel (Greßmann 250 ff., 260 ff., 305 ff.) und manche Dunkelheit der Immanuelweissagung Jes 714 ff. (S. 272’ ff.). ‘ Dreierlei scheint Greßmann erwiesen zu haben: das hohe Alter der messianischen Hoffnung, die Existenz einer vorprophetischen volkstümlichen Stufe, die Einwirkung mancher sprachlicher Wendüngen aus den Sprachen, aus denen das Hebräische ja auch Fremd- Wörter entlehnt hat. Wenn Marduk einen Fürsten sucht, ״ihn zu fassen bei seiner Hand; Kurasch berief er mit Namen", so hat Greßmann S. 251 Recht, auf Jes 45x ff. zu verweisen, wo es von demselben Ryros heißt, Gott habe ihn bei der Hand gefaßt und mit . Namen gerufen. Und wenn — um ein von ihm nicht angeführtes Beispiel zu nennen — nach Jes 1115 Gott den Fluß Aegyptens in, sieben Bäche zerschlagen wird und betreten lassen wird mit Sandalen, so wird es schwerlich Zufall sein, wenn es in einem Papyrus heißt: ״Der Fluß Aegyptens ist leer; man kann zu Fuß durchgehen" (Dürr 8). 1 Amomum ist eine Balsamstaude (Weber 87, .3); doch wird die Etym01 ogie^nätürlich empfunden. 1

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