Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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347 Ischtar die Schuld trägt (S. 72). Die Bedenken, die Kittel selbst bei der Entwicklung dieser Hypothese gekommen sind, werden dem Leser nicht ausschlaggebend scheinen, bis er — den angeblichen ,,Bericht des Hippolytos“ über die Mysterien von Eleusis einmal nachschlägt. Da ergibt sich folgendes: Hippolytos redet im V. Buch seiner ״Widerlegung der Ketzer“, insbesondere in dem uns angehenden 8. Kapitel über ״die bewundernswürdigen Gnostiker, die Erfinder einer neuen Sprachwissenschaft“ (§ 1), die erst Homer mit der Bibel (der von ihnen ausgelegten natürlich!) identifizieren (§ 1—8), dann thrakische (§ 9—22), phrygische (§ 23—38) und schließlieh eleusische1 Mysterien (§ 39—45). Durchweg gehen diese (naassenischen) Gnostiker von Nachrichten oder Zitaten aus, die sie deuten und mit Bibelstellen zusammenbringen; die Absicht, gewissenhaft über jene Kulte zu berichten, liegt ihnen selbstverständlich fern. Nun kann in diesem Wirrsal natürlich manches Korn echter Ueberlieferung enthalten sein, das wir nutzen dürfen. Aber Voraussetzung für unsere Verwertung ist doch die Scheidung des Berichts von den Zusätzen und Deutungen der ״neuen Sprachwissenschaft“. , Tut man das, so ergibt sich, daß weiter nie h t s überliefert ist als der Ausruf des Hierophanten: ״Einen heiligen Knaben hat die Herrin geboren, Brimo den Brimos“ {§ 40). Alles andere ist gnostischer Zusatz; insbesondere ist der Schlußsatz § 45: ״dies ist die Jungfrau, die einen •Sohn gebiert, keinen psychischen, keinen körperlichen, sondern den seligen Aion der Aione“ (die letzten Worte fehlen bei Kittel!) natürlich kein Priesterruf, sondern einer der gnostischen Versuche, die ״Herrin“ § 40 mit der ״pneumatischen, himmlischen, höheren Geburt“ (§ 41), unter Heranziehung von Bibelstellen, die auf Mysterien bezogen werden, gleichzusetzen. So darf sich denn Kittel (66,1) nicht wundern, wenn die Philologen seither auch die Glosse zum Priesterruf ״eine Starke einen Starken“ nicht als authentisch angesehen, vielmehr über das Wesen der Brimo nicht die ״neue“, sondern ihre eigene Sprachwissenschaft befragt und aus der sonstigen Erwähnung der Göttin und der Bedeutung der Wurzel von ßpipooabai ermittelt haben, daß das Wort nicht die Starke, sondern die Schnaubende^ Grimmige bedeutet und wahrscheinlich eine Unterweltsgottheit bezeichnet. Die Uebereinstimmung zwischen dem Priesterruf und der Jesajastelle beschränkt sich demnach darauf, daß hier wie dort das Zeitwort gebären (in verschiedenen Tempora) mit einem männliehen Objekt verbunden wird. Während also die seither betrachteten . scheinbaren Üeberein- Stimmungen zwischen jüdischen und heidnischen Anschauungen auf sehr zweifelhaften oder erweislich falschen Deutungen der Urkunden beruhen, ist der Versuch erheblich ernster zu nehmen, unzweifelhaft vorhandene Aehnlichkeiten zum Ausgangspunkt quellenkritischer Vermutungen zu machen. Solche Aehnlichkeiten bestehen zwischen Vergil und Jesaja. Beide bringen das neue Zeitalter mit der Geburt eines Wunderkindes in Verbindung; beide versprechen sich von ihm Frieden — nicht nur für die Menschheit, sondern auch für die Tiere. 1lieber ihre Wertschätzung durch die Naassener vgl. Y 734, 20a.; ־..