Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
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- Isaiah 2× ep/1005097
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346 4• Der Ursprung des Messiasglaubens. Wenn also auch im hellenistischen Judentum Spuren des heidnischen Messiasmysteriums nicht nachweisbar sind — steht etwa bereits der Glaube Jesajas unter der Wirkung derselben ägyptischen Mysterien, die auch auf das Abendland gewirkt haben? Auch ,in dieser Frage gelangen Kittel und Norden auf getrennter! Wegen zu dem gleichen bejahenden Ergebnis. Wenn Kittel glaubt, die; Erwartung eines Wunderknaben, mit dessen Geburt eine neue Zeit anbricht, sei älter als Jesaja, so ist diese Möglichkeit keineswegs auszuschließen. Das argumentum ex silentio ist bei den jammervollen Resten althebräischen Schrifttums unbedingt zu verwerfen, mag es die kritische Theologie zum ,,Beweis“ der Jugend irgend einer Einrichtung verwenden oder der schlichte Bibelleser zur Grundlage unwissenschaftlicher Vorstellungen machen. — Sehr bedenklich ist es aber, wenn Kittel S. 10 zum Be!־ weis für das Alter der Vorstellung die drei Weissagungen von der Geburt eines Sohnes Jes .?!**י־ Gen 16u und Ri 13s (an Hagar und die Mutter Simsons) nebeneinanderstellt, um zu beweisen, daß die Worte ״du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären“ (auf welche sich die Uebereinstimmung beschränkt) zum ,,Stil der Be- Schreibung des Heilbringers und Bringers einer neuen Zeit“ gehörten (S. 65). Hier wird man wirklich an das zornige Wort eines geistreichen Philologen1 von den ״unmoralischen Parallelennetzen“ erinnert. ״Bringer einer neuen Zeit“ ist Simson nicht und Ismael trotz aller dialektischen Künste erst recht nicht2. Angenommen, die Aehnlichkeit des Wortlauts bedürfte der Erklärung, $0 genügt die Annahme, daß die Genesisstelle auf Jesaja und Richterbuch gewirkt hat. Neben diese drei Stellen, die beweisen sollen, daß es in Israel und womöglich bei den streitbaren Beduinen (S. 11) im 8. Jahrhundert einen feststehenden Ausdruck der Heils- und Erlösererwartung gab, stellt Kittel aber einen Ausruf der griechischen Mysterien. Er schreibt S. 24: ״Hippolytos berichtet, der Hierophant in Eleusis breche aus in den Festruf: Ei nen heiligen Kn aben ha t d.ie. H.errin.geboren, die Starke einen Starkem Und weiter: Das ist nämlich die Jungfrau, die sch w a n g e r war, empfing und einen Sohn g e b a r.“ Jeder Leser muß den Eindruck haben, daß die ־—.von Kittel selbst! — gesperrten Worte nach dem Bericht eines zuverlässigen Gewährsmannes wirklich von dem Hierophanten gesprochen worden sind. Und er wird den Schluß für unausweichlich halten, daß auch in Eleusis anfangs eine ״Stärke“ ( Jesajas עלמה), dann eine Jungfrau als Mutter eines göttlichen Erlöserkindes bezeichnet wurde (Kittel 65 ff.), daß also Jesaja — unbewußt natürlich (S. 68) — die Horus-Osirisgestalt verwertet, die auch auf Eleusis wirkt. Während ah der Umbiegung zur Jungfrau wieder die Muttergöttin 1 Karl Reinhardt, Poseidonios 379. ...... 2 S. 11 zitiert Kittel Gen 161a ״dessen Hand gegen jedermann ist“ (von Ismael) — ohne die Fortsetzung ״und die Harid aller ist wider ihn“. In der Tat: zu der Meinung, daß in Ismael etwas von einem Erlöser ״durchklingt“, paßt sie wie die Faust aufs Auge.