Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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345 mit Jungfrauen zeuge, ist Philon nicht einmal bei Sara gebunden, geschweige sonst1. Kittel S. 14 findet, wenn der Uebersetzer von Jes ד!. statt des Textwortes עלמה Jungweib: 7zap&ivos Jungfrau gebe, so müsse ,,in der Zeit und der Umgebung des Uebersetzers die Vorstellung herrschend‘״ gewesen sein, ,,die Mutter des Erlösers sei eine Jungfrau“. Das erkläre sich daraus, daß Ischtar, ,,die Göttin schlechtweg, mehr und mehr als jungfräuliche Göttin gedacht wurde“ (S. 72). Leider läßt Kittel unausgesprochen, ob er dem Uebersetzer den Glauben an eine übernatürliche Zeugung zuschreiben will, den Norden bei Philon voraussetzt. Wäre dies Kittels Meinung, so müßte man entgegenhalten, daß die Lehre von einem zeugenden Gott im wörtlichen Sinne dem hellenistischen Judentum nicht minder fremd war , als dem palästinischen, also keinesfalls als ,,feststehend“ (Kittel S. 14) angesehen werden kann; vom Messias insbesondere wissen wir, daß er aus Davids Hause stammen sollte (gerade auf Grund der Jesaja-Stellen), d. h., wie die Stammbäume der Evangelien deutlich zeigen, daß sein Vater als Davidide galt. Hält man aber fest, daß für den Uebersetzer Immanuels Vater unzweifelhaft ein Mensch war (wie auch Kittel anzunehmen scheint)1, so ist es völlig unnötig, zur Erklärung der Uebersetzung die Muttergöttin Ischtar zu bemühen, für deren besondere Schätzung im Judentum — und für deren Verbindung mit dein Messiasglaüben — Kittel nicht den leisesten Anhaltspunkt bringt, wiewohl es sich doch um eine ,,feststehende“ Vorstellung handeln soll! Die Uebersetzung napdivos ist gar nicht so unmöglich, wie Kittel annimmt (wenn ich sie auch persönlich nicht für richtig halte); ein durchaus unbefangener Gelehrter wie Greßmann2 schreibt: ,,Ob die Mutter als Frau oder ,Jungfraü' gedacht ist, läßt sich nicht entscheiden, da עלמה beides heißen kann“; das Wort, das außer an unserer Jesajastelle ni e von einer Ehefrau gebraucht wird, scheint nur solche junge Frauen zü bezeichnen, die noch nicht geboren haben3; es ist also noch enger als unser Mädchen oder gar lat. das doch nicht selten für Ttap&ivoG steht. In der Thora wird es einmal sicher, ein anderes Mal höchstwahrscheinlich4 von einer Jungfrau gebraucht; an allen anderen Bibelstellen ist die gleiche Uebersetzung möglich, außer Hoheslied 68, wo von Mädchen, die Salomos Freuden teilen, die Rede ist. Wenn also der Uebersetzer glaubte, daß Jesaja das Weib in seiner höchsten Frische meine, so ist das mindestens nicht unverständlicher, wie wenn manche Bibelerklärer, Juden und Nichtjüden, geglaubt haben, דע auch ohne exegetischen Zwang als den Volksgenossen auffassen zu müssen. 1 Gegen Nordens Versuch, aus. dem Vorkommen von hnand&etv ira Lukasevangelium und bei Philon auf ein von beiden benutztes Mysterium zu. schließen, vgl.Allgeier, Hist. Jahrbuch 1925, 1 ff. 3 Ursprung der Eschatologie 284. 3 Vgl. Haupt bei Gesenius-Buhl, der auf ס-יסי verweist.. 4 Gen 2443, Ex 2S. Spr 3019 .ודרך גבר בעלמד ist eine Auffassung im Sinne von Jes 625» mindestens möglich.