Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
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344 Fest unverständlich. So bleibt denn nur die Ableitung von Chanochy dessen Gleichsetzung mit Helios offenbar auf schwachen Füßen steht (die Heranziehung des phrygischen Gottes Anakos, der auch Nanakos hieß und von dem man gleichfalls nicht weiß, ob er ein Sonnengott war1, zeigt, daß sich Kittel der Schwäche seiner Position bewußt ist) und die schon deswegen ausscheidet, weil Ableitungen mit ah von Personennamen zur Bezeichnung der Herkunft nicht möglich sind: wer könnte das Purimfest als Esthera oder Mordechaja bezeichnen! 3• Der Glaube an die Jungfrauengeburt bei den hellenistischen Juden. Auf getrennten Wegen gelangen Norden und Kittel zu der Annahme, daß die hellenistischen Juden an ein Mysterium von der Jungfrauengeburt des Messias geglaubt haben. Norden beruft sich auf Leisegangs Forschungen, die den Lesern dieser Zeitschrift bereits aus einer anderen Abhandlung2 bekannt geworden sind. Leider aber gibt er den Inhalt der betr. Philonstellen höchst ungenau wieder. ״Gott steigt“, so schreibt er S. 78, ״in den Schoß sterblicher Frauen hinab, um mit ihnen zu zeugen. Die Vor- Stellung ihrer Jungfräulichkeit ist ihm derart bestimmt gegeben, daß er die Sagen der Patriarchenzeit durch Allegorisieren in einem selbst für ihn fast unerhörten Maße vergewaltigen muß“. In Wahrheit ist für Philon jede ״Zeugung“ Symbol geistiger Befruchtung, wie jede Nahrungsaufnahme Symbol geistigen Zuwachses, jede äußere Entfernung Symbol innerer Entfremdung. So deutet er den Verkehr Abrahams mit Hagar genau wie seine stoischen Vorganger den der Freier mit den Mägden der Penelope. Und Wendungen wie diese, daß Gott ״den Mutterschoß öffnet“ oder ״Sara heimsucht“^ geben ihm Veranlassung, seine Lieblingslehre in die Bibel hineinzudeüten: daß nicht der Mensch der Vater der guten Gedanken ist, die in ihm aufsfeigen, sondern Gott. In diesem Sinne hat Gott mit Lea, Zippora, Hanna gezeugt, ohne daß von deren Jungfräulichkeit die Rede wäre. Dagegen heißt es von Sara, daß für sie. ,,die Weise der Frauen aufhörte“ (Gen 18u). Diesen Vers deutet Philon entweder so; daß Sara zu einem übermenschlichen Wesen oder (nach 4 Stellen) zu einem Mann oder (nach 3 Stellen) zu einer Jungfrau geworden sei; an einer weiteren Stelle läßt er die Frage, was aus ihr geworden sei, offen3. Der exegetische Spielraum, den der Bibelvers bot, ist also voll ausgenutzt; an eine Tradition, daß Gott nur .wird, so hat man daraus wohl mit Recht geschlossen (Krauß 'S. 28 ff., der weitere Literatur anführt), daß dieser Ritus noch eine Zeitlang festgehalten wurde. Aber als ,,Ersatz des Hüttehfestes“ hätte man (trotz II Makk 106) das Fest schon deshalb nicht ansehen dürfen, weil die Verwendung des Hauptsymbols dieses Festes, der Hütte, natürlich nicht möglich war. Ich halte auch die' Bezeichnung ״Hüttenfest des Kislew“ durchaus nicht für eine offizielle* und glaube, daß sie von den Verfassern des Briefes gewählt war, um das Fest den hellenistischen Juden durch Anlehnung an ein auch ihnen heiliges Fest zu empfehlen. , 1, Kittel 20!. * Heinemann M.GWJ. 1922, 274 ff., wo . auch B e i e g e und nähere ,Ausführungen z u m f o i g e n d e n zu finden sind. V 8 Die Stellen sind a. a. O. aüfgezählt..