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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 341

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Messianismus und Mysterienreligion
Date
1925-01-01
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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341 sicht aufgerufen wird, entwickelt seine Lehre von der Heilszeit ohne jede Anspielung auf dergleichen1. Allgemeiner wird man sagen dürfen, daß im Judentum — mag man an die Bildersprache der Bibel oder an die Verirrungen astralen Glaubens denken — die Sonne kaum eine größere Bedeutung gewonnen hat als andere Himmelskörper und keinesfalls in der Weise dominiert, wie in Aegypten seit Chuenaten; auch was Philon über sie sagt, entstammt griechischer Lehre, die, mag sie orientalisch beeinflußt sein, in streng wissenschaftlicher Beobachtung ihre Rechtfertigung suchte2. Angenommen also, Norden und Kittel hätten in vollem Umfange Recht, so stünde es mit diesen Keimen, die in das Judentum eingedrungen wären, ganz anders als etwa mit der Astrologie: sie hätten sich nicht ent- Vriekelt, sondern derart ״verkapselt“, wie es die Aerzte wohl nennen, daß der Körper irgend welche Spuren ihrer Wirkung nicht gemerkt hat. Aber freilich: unmöglich wäre das nicht. Wir haben daher in die Prüfung der einzelnen Aufstellungen einzutreten. 1• Der Gott Aion. Daß der israelitische Monotheismus ״keinen Untergott neben Jhv“ anerkennen kann, gibt Kittel S. 79 zu. Aber nach seiner Ansicht sind El Betel, El schaddai, Chaj roi, El eljori und El folam lokale Gottheiten der alten Kanaaniter, die ״mit Jhv verschmolzen wurden, der ihre Eigenschaften annahm** (S. 76). Danach wäre der El ‘olam — wenn Kittel recht hätte — nicht als israelitische, sondern als vorisraelitische Gottheit an^usehen, von der jedoch der Gott Israels die Eigenschaft der Ueberlegenheit über zeitliche Schranken ״angenommen hätte**. . Nun" ist leider in keiner Weise zu zeigen, daß el ‘olam mehr zu bedeuten braucht als ״der Gott der Urzeit*‘, der, wie Kittel die herkömmliche Ansicht ganz richtig ausdrückt, ״aus grauer Vorzeit in die Gegenwart hinein — und aus ihr in die ferne Zukunft hinüberreicht“. Das wäre der Begriff eines ewigen Gottes, wie er schon für die ״Unsterblichen“ bei Homer vorausgesetzt werden darf, aber noch lange kein ״Gott der Zeit“. Gegen die Wiedergabe mit ״Gott Ewigkeit“ bei Kittel (S. 77 unten und 78) wären sogar schwerste grammatische Bedenken geltend zu machen, wenn sie etwa als Ueber- Setzung gemeint wäre3. Und wenn Damaskios als phönizischen Gott, die ״nichtalternde Zeit** nennt, so gehört Mut dazu, aus einer Notiz des 6. nachchristlichen Jahrhunderts auf vorprophetische Vorstellungen — eines Nachbarvolkes zu schließen. Wenn endlich Philon von Byblos den El der Phönizier, mit ,,Kronos, dem Sohn des Uranos und seiner Schwester Ge“ gleichsetzt, so beweist dieser Synkretismus nicht einmal, daß er diesen Kronos für einen Gott Chronos, einen Gott der Zeit, gehalten hat, wohl aber wird, gerade 1 Vgl. Br^hiers Darstellung, Les idees de Philon 2 ff. a Vgh Heinemann, Poseidonios* metaph. Schriften I 128, 2, wo auf weiteres verwiesen ist; dazu Dieterich, Abraxas 54 und über Poseidonios’ Lehre von der. Sonne Reinhardt,. Poseidonios 132, 205. 8 Nach den Analogien für Bezeichnung von Göttern und Königen müßte es האל ערלס oder noch besser עולם האל heißen. Flußbezeichnungen wie 3הד פדה stehen auf anderem Blatt.

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