Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Messianismus und Mysterienreligion
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
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340 in ihren Vorläufern, also insbesondere im Buch Jezira, sehrjviel hellenistische Mystik steckt, bedarf für den, der mit gnostischen und neupythagoreischen Vorstellungen vertraut ist, wenn auch noch immer der Darlegung im einzelnen, so doch nicht mehr des grundsätzlichen Beweises. Aber weit über die Kreise der eigentlichen Mystiker, hinaus hat der Glaube an zauberkräftige Namen1, hat Buchstaben-2 und Zahlenmystik und vor allem der Glaube an ge-r heime astrologische Zusammenhänge trotz des Einspruchs großer Rationalisten auf die Philosophie, die Bibelerklärung, ja, die volkstümliche Redeweise3 des Judentums gewirkt. Unter dem Einfluß der hermetischen Schriften steht, wie zwei der besten Kenner der Philosophie des jüdischen Mittelalters erwiesen haben4, eine psychologische Schrift, die den gefeierten Namen des Bachja ibn Pakuda trug; gleiches gilt, wie ich demnächst an anderer StelLe zeigen zu können hoffe5, von einem Abschnitt der echten Hauptschrift dieses Denkers. Und auch wenn neuere Vermutungen über den Einfluß ägyptischer und iranischer Erlösungsmysterien auf Phi Ion von Alexandrien nicht ausreichend begründet scheinen, so wird man doch fragen müssen, ob das starke Ueberwiegen des Jenseitsgedankens im nachbiblischen Judentum, verglichen mit dem biblischen, ob also etwa die Auffassung dieser Welt als Vorhalle zu jener (Abot IV 16), nicht mit einer Jenseitsstimmung in Zusammenhang steht, die von den Mysterienreligionen her auf Philosophie und Frömmigkeit des ausgehenden Altertums Einfluß gewann. — Aber wie die Mystik der Umwelt auf das Judentum, so hat umgekehrt die Kabbala stark auf nicht jüdische Kreise gewirkt; es hat also eben die Wechsel- Wirkung im Mittelalter stattgefunden, die namentlich Kittel für das Altertum vermutet. . Allein gerade der Vergleich zwischen diesen und den für das Altertum behaupteten Beziehungen führt bei näherem Zusehen zu starken Bedenken. Für das Mittelalter sind die Vorstellungen als solche sicher bezeugt, z, T. sogar, wie bei den Wirkungen der Kabbala auf die Renaissance, die Brücken zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Welt. Dagegen findet sich für diejenigen mystischen Vorstellungen, deren Abhängigkeit vom Heidentum Norden und Kittel behaupten, nicht ei n einziges völlig sicheres Zeugnis. Aionkultüs, Sonnenwendfest, Götterkind — von diesen Begriffen ist im Judentum an keiner unzweideutigen Stelle die Rede, insbesondere nicht in Verbindung mit der messianischen Hoffnung, von der doch wahrlich oft genug gesprochen wird. Philon z. B., der doch auch als Kronzeuge für Nordens An- 1 Vgl. B. Jacob, Im Namen Gottes, vor allem auch über den Einfluß der ägyptischen Namensspekulation. 2 Dornseiff, Das Alphabet2 1925 (dazu MGWJ 1923, 279). 3 Der astrologische Ursprung von מזל טוב wird freilich kaum deutlicher empfunden als bei Laune, jovial oder Humor. 4 D. Kaufmann, Studien über Gabirol (1899) 54, 1; Goldziher, Abh. d. Gott. Ges. d. W. 1907, 9.*. 5 In einer Arbeit über die Frage nach dem Sinn des Lebens in der heilenistischen und jüdischen Philosophie, die voraussichtlich als Beilage zum nächsten Jahresbericht des Jüdisch-theologischen Seminars in Breslau erscheinen wird. ♦