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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 6 · p. Seite 339

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 6
Article
Messianismus und Mysterienreligion
Date
1925-01-01
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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339 — auch die Verlegung des Chanukkafestes auf den 25. Kislew, der etwa dem 25. Dezember entspricht, erklärt sich am einleuchtendsten durch die Annahme, daß ein Sonnwendfest übernommen und umgestaltet worden ist. Und den Mythos von der jungfräulichen Mutter, meint Norden, kennt bereits Philon. Ja, wir können vielleicht in erheblich frühere Zeiten zurückgehen. Jene beiden, zeitlich nahen und im Ritual verwandten Feste scheinen aus einer einzigen Feier erwachsen zu sein. Nun hat man berechnet, daß bei der Neugründung des ägyptischen mittleren Reiches i. J. 1996 die Wintersonnenwende etwa auf den 6. Januar jul. Kal. fiel (Norden 38); im 4. vorchristlichen Jahrhundert fiel es auf den 24/5. Dezember. Aus der doppelten Feier der Sonnenwende am richtigen und am kirchlich überlieferten Tage wäre also die Doppelfeier erwachsen. Diese uralte ägyptische Lehre von der Geburt des Sonnengottes uiid einer neuen Zeit um die Wintersonnenwende hat also nach Norden dreimal auf das Judentum gewirkt: auf Jesajas Botschäft vom Knaben Immanuel als Bringer eines ,,neuen Aion“, auf die Makkabäer bei der Festsetzung des Chanukkafestes und auf Philons allegorische Schrifterklärung. Diese Forschungen führt Rudolf Kittel als Alttestamentler weiter. Er läßt die Philonstellen beiseite; in der Chanukkafrage äußert er sich kurz zustimmend; vor allem faßt er die Jesajastelle ins Auge. Zunächst sei die griechische UeberSetzung Jes nach welcher ״die Jungfrau“ den Immanuel gebären wird, von dem Mysterienglauben an jungfräuliche Mütter beeinflußt. Aber der Ruf des Hierophanten in Eleusis: ״einen heiligen Knaben hat die Herrin geboren, die Starke einen Starken“ (wie ihn Kittel zitiert), spricht dafür, daß schon J e s a j a , der ״ein junges Weib“ zur Mutter eines Heldensohnes macht, unter dem Einfluß der Mystik steht. Ja, schon vorprophetische Vorstellungen erhalten aus den Mysterienreligiönen ihre Erklärung : Abrahams אל עולם Gen 21^ bedeutet ״Gott Ewigkeit“ und ist mit jenem Gott Aion identisch, dem wir bereits begegneten. Aber auch die Hoffnung auf Verleihung von ״Lieht“ und ״Leben“ durch Gott und auf ein jenseitiges Weiterleben in Gemeinschaft mit ihm, die wir in manchen Psalmen voräuszusetzen haben (Kittel 92 f.), könnte von der Mysteriensprache und -lehre beeinflußt sein — so wesentlich und bedeutungsvoll natürlich die Unterschiede zwischen ״diesem vermutungsweise angenommenen jüdischen“ und dem hellenischen Mysterienglauben offenbar sind (Kittel 95 f.). Eine .so tiefgehende Beeinflussung des antiken Judentums durch die Mysterienreligionen, wie Norden und Kittel sie annehmen, wird der jüdische Leser, der den Blick §,uf die Gesamterscheinung des Judentums gerichtet hält, keinesfalls von vornherein für unwahrscheinlich halten. So hätten sich beide Forscher wohl auf den Zusatz der LXX zu Deut 2317) 8נ), der die Teilnahme an Mysterien verbietet, zum Beweise dafür berufen können, daß schon im Altertum die Mysterienreligionen eine gewisse Anziehungskraft auf jüdische Kreise übten. Und für. das Mittelalter ist eine Wechselwirkung zwischen Mystik und Judentum erwiesen. Daß in der Kabbala und 22*

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