Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ibn Kammuna
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829932-2832727--46409-2832868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
310 sogar Anhänger der mündlichen Lehre. Der Autor selbst vertritt (Chrest. 1022!) den gewiß nicht karaitischen Standpunkt, daß es überhaupt unzulässig sei, Bibelverse mit Bestimmtheit in einem Sinne auszulegen, sofern sie nicht entweder völlig eindeutig oder durch ganz sichere Ueberlieferung in einer bestimmten Bedeutung festgelegt seien. Zu beachten ist auch, daß die Formel ונואבה nur bei der Verteidigung der Rabbaniten gebraucht ist, und daß dem entschiedenen Ausdruck 7526) ואלאגובה אלדאפעה להא) bei der Rechtfertigung der Karäer (948) das bescheidene ומא יצלח אן יכון גואבא להם ענה gegenübersteht. 3. Der Schluß aus der Auslassung von Eulogien, wofür ich nur noch ein zweites Beispiel gefunden habe (Chrest. 722 ל, יהודה הלל), wird durch das von St. selbst angeführte Gegenbeispiel (9422 רבנו משה בן מיימון נ״ע) widerlegt. Die ebenfalls ohne Eulogie genannten Namen der Tannaiten sind in dieser Form aus dem Kusari übernommen. 4. Die Bemerkung1, daß die Handschriften von einer Kopie des Originals abgeschrieben ist, ist nichts weniger als ungewöhnlich und auch durchaus glaubhaft, da es sich nur um einen Zeitunter־ schied von etwa 60 Jahren handelt. 5. Den Kusari hat der Autor soweit benutzt, als er ihn im Zusammenhange seiner Darlegungen verwerten konnte. Man kann nicht erwarten, daß er eine stark verkürzte Darstellung der rabbanitischen Ueberlieferung durch eine Bemerkung über den Ursprung der Karäer unterbricht, weil es in der zugrundeliegenden Kusaristelle der Fall ist. Von positiven Argumenten für Ibn Kammunas Verfasserschaft sei hervorgehoben: 1. Die Analogie des Grundgedankens mit dem des חנקיח. Nicht so leicht wird man im Mittelalter einen zweiten Mann finden, der objektiv genug dachte und zugleich genügend Mut besaß, um eine Schrift dieser Art zu veröffentlichen, die ihn allen Parteien verdächtig machen mußte. 2. Die eigentümliche Methode der Quellenbenutzung stimmt in beiden Schriften genau überein, was hier nicht näher ausgeführt werden kann. 3. Auch in unserer Abhandlung zeigt sich Vertrautheit mit dem Neuen Testament (Chr. 9519, vgl. Acta 238), bei Juden in Ländern mit vorwiegend mohammedanischer Bevölkerung sicherlich keine alltägliche Erscheinung. 4. Der Verfasser legt Wert darauf, seine Originalität zu be- 1 Das Ende dieser Bemerkung lautet nicht בניר היאמה ולא בקצה ושלום, sondern בגיר זיאדר. ולא נקצאן ושלום. Hier sei noch einzelnes andere aus Steinschneiders Beschreibung der Handschrift berichtigt. In der Schlußformet f. 136b muß es נסכה ללאצל Tfc heißen, obwohl die diakritischen Punkte fehlen. Die Abkürzung 'הע' הצ möchte ich nicht העני הצעיר, sondern העבד הצעיר auflösen ( ar. אלעבנד אלצגיר). In Steinschneiders Verz. I 75 z. 7 von unten ist wohl תפצי לא und לם אדכרה לצעפה zu lesen.