Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ibn Kammuna
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 14)
- Language
- German
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308 im Dunkeln. Steinschneider bezeichnet in seiner ״Arabischen Literatur der Juden“ (S. 239) Aegypten als Aufenthaltsort Ibn Kammunas. Es ist mir nicht gelungen, hierfür eine Quelle auf zu־־ finden, und ich vermute, daß hier ein Gedächtnisfehler vorliegt. Es ist überaus unwahrscheinlich, daß in Aegypten während der Mamlukenzeit, während deren Juden und Christen unter besonders schwerem Drucke seufzten, ein Jude durch den hohen Ehrentitel ‘Izz ad־daula ausgezeichnet wurde. Vollends undenkbar erscheint es aber, daß in diesen Landen damals ein Jude hätte wagen dürfen, in einer für die Verbreitung unter Mohammedanern bestimmten Schrift die Blößen des Islam in so kühner Weise aufzudecken. Nur ein Gebiet mit arabischer Literatursprache gab es damals, wo solches ungestraft gewagt werden konnte: das Herrschaftsgebiet der mongolischen Ilkhane. Diese waren selbst Heiden geblieben und behandelten die Bekenner aller in ihren Landen vertretenen Religionen mit gleicher Toleranz, unterstützten sogar die verschiedenen Kulte. Im Jahre 1289 wurde von dem damaligen Ilkhan die gesamte Landes- Verwaltung in die Hände eines Juden, Sa'd ad-daula, gelegt. Daß Ibn Kammuna tatsächlich im Lande der Ilkhane gelebt hat, dafür haben wir einen Beleg in den einführenden Lobesformeln der ihm zu Unrecht abgesprochenen Schrift über Rabbaniten und Karäer. Hier ist der Verfasser als צלאמה אלעראקין bezeichnet, als größter Gelehrter beider Träq, d. h. Träq *arabi und Träq ‘a^ami oder von Basra und Kufa1. Nun wissen wir, daß zur Zeit des damaligen Ilkhanes, Abäqä oder Abaga, Christen und Mohammedaner Anstrengungen machten, das Herrscherhaus auf ihre Seite zu ziehen. Abäqä war zum Teil durch christliche Hilfe auf den Thron gelangt, und die Christen hofften, daß er zum Dank ihre Religion annehmen werde, sahen sich aber getäuscht. Auf den Thronfolger, Takudar (Nikudar), gewannen wiederum die Mohammedaner Einfluß, so daß er, 1282 zur Regierung gelangt, sofort feierlich seinen Uebertritt zum Islam verkündete2 * * * * * 8, der übrigens seinen raschen Sturz und Tod zur Folge hatte. Zur Zeit, als Ibn Kammuna sein Buch schrieb, bestand also eine ähnliche Lage wie nach der Legende im Chasarenreiche, bevor sich dessen König für das Judentum entschied. Sollte 1 Einen Indizienbeweis für die Ansässigkeit Ibn Kammunas im Träq liefert auch folgende Tatsache. Die Graf Landberg’sche Handschrift, aus der Goldziher in der Steinschneider-Festschrift (Leipzig 1896) S. 110—114 eine Notiz über Ibn Kammunas Abhandlung von der Unvergänglichkeit der Seele veröffentlichte, ist ein Sammelband, dessen erster Teil 1282 in Baghdad geschrieben wurde; der zweite, zu dem jene Abhandlung gehört, ist nicht datiert, trägt aber den Vermerk, daß er im Aufträge des Kreises um Rasld ad-din, ,,die Sonne des Islam und der Muslime“, angefertigt sei. Es kann sich wohl um keinen andern als den berühmten persischen Historiker und Minister zweier Ilkhane handeln (ca. 1247—1318), der in Baghdad residierte. Da nun die Handschrift vom Autograph des Verfassers kopiert ist, so ist es nicht wahrscheinlich, daß der letzte Aufenthaltsort des Verfassers weit entfernt war. Auch die Berliner Handschrift, die von einer Kopie des Originals abgeschrieben ist, stammt aus Baghdad. 8 Nach Löon Cahun: Introduction k l’histoire deTAsie, Turcs et Mongols (Paris 1896) S. 432 Anm. 1 wäre T. ursprünglich auf den Namen Nicolas Christlieh getauft worden; E. G. Browne, A History of Persian Literature unter Tartar Dominion (Cambridge 1920) S. 46 berichtet dies jedoch von dem späteren Khan Ulgaitu, und es dürfte eine Verwechslung vorliegen.