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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 307

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Ibn Kammuna
Date
1925-01-01
Page
Seite 307 (sequence 13)
Language
German
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307 zusprechen. Nebenbei mag es für einen hervorragend begabten Mann, der seine Geistesgäben auch außerhalb des engen Kreises seiner Glaubensgemeinschaft zur Geltung zu bringen, vielleicht auch politisch eine Rolle zu spielen wünschte, ganz bequem gewesen sein, den Anschauungen seiner andersgläubigen Landsleute so weit entgegenzukommen, als seine Prinzipien irgend zuließen; wir brauchen uns nicht zu scheuen, bei Menschen menschliche Motive vorauszusetzen. Ein solches Anerkennen bedingt nicht den Uebertritt von einer Religion zur andern. Bereits im Anfang des elften Jahrhunderts vertritt ein jüdischer Arzt, ein Geistesverwandter Ibn Kammunas, dem Ibn Hazm gegenüber die Theorie, daß ein jeder bei der Religion bleiben müsse, in die ihn Gott bei seiner Geburt gestellt; Religions- Wechsel sei ein frivoles Spiel1. Die Anerkennung der verschiedenen Religionen bedeutete auch nichts weniger als eine Zustimmung zu ihren einzelnen Lehren, die freilich zu argen Widersprüchen geführt hätte. Der Philosoph fühlte sich ja hoch erhaben über die populäre Dogmatik der einzelnen Religionen. Es dürfte sich im wesentlichen um nicht viel mehr als die Ueberzeugung gehandelt haben, daß die einzelnen Religionsstifter und Propheten besondere Werkzeuge der göttlichen Vorsehung seien. In diesem Sinne werden die Segensformeln für Mohammed von Ibn Kammuna ganz ehrlich gemeint sein. Ist diese Auffassung richtig, so sollte man wiederum erwarten, daß sein Buch mit echter Objektivität geschrieben und alle drei Religionen in der Tat gleich behandelt wären, und die oben aufgezeigte unterschiedliche Behandlung wird nunmehr schwierig. Wir müssen aber bedenken, daß ein Werk wie das vorliegende, das zwar große Kühnheit verrät, aber keine wissenschaftliche Frage vollends klärt, nicht wohl aus rein theoretischem Interesse entstanden sein kann. Das Buch hat irgend einen Anlaß gehabt, der leider in der Vorrede, wo nur kurz von einer ״Unterredung“ gesprochen wird, kaum angedeutet ist. Dieser Anlaß wird die Tendenz des Buches bestimmt haben. Man kann darüber nur unsichere Vermutungen anstellen. Es ist zum Beispiel möglich, daß die Schrift eine Antwort auf einen Bekehrungsversuch von mohammedanischer Seite darstellt, welchem gegenüber der Verfasser zeigen wollte, daß bei sorgfältiger Untersuchung das Judentum sich als die bestbegründete der drei Buchreligionen erweist, der Islam hingegen als die angreifbarste. Es liegt sehr nahe, anzunehmen, daß man einen Mann, der neben den Propheten des alten Bundes Jesus und Mohammed als Propheten anerkannte, zu der Konsequenz hindrängte, sich der Religion anzuschließen, welche allen diesen das Prophetentum zuschrieb. Noch eine andere Möglichkeit sei erwähnt, die uns zu der Frage nach den historischen Entstehungsbedingungen des Buches führt. Die Handschriften geben zwar die Zeit der Abfassung genau an (679 der Hidschra 1280 ehr. Ztr.), lassen uns aber über den Ort 1 S. M. Schreiner: Zur Geschichte der Polemik zwischen Juden und Mohammedanern. ZDMG. 42 S. 658 (arabisch) u. 617 (deutsch). 20*

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