Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ibn Kammuna
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Fassen wir nunmehr rückblickend zusammen, was im ganzen Buche als im Sinne des Verfassers gesprochen erscheint, so läßt sich folgendes sagen1: Der darstellende Teil ist überall referierend. In dem erörternden Teil des zweiten Kapitels beantwortet Ibn Kammuna die gegen das Judentum erhobenen Einwürfe in derselben Form, wie ein mohammedanischer Autor, z. B. Razi, Einwände gegen den Islam abfertigt (Formel וגואבה). Die Verteidigung des Christentums im dritten Kapitel übernimmt er zwar ebenfalls selbst, gibt aber deutlich zu erkennen, daß es sich nur um ein dialektisches Eintreten für eine ihm persönlich fernstehende Sache handelt (Einführungsformel ואגוד מא להם אן יגיבו בה). Einer ähnlichen Ausdrucksweise (ולהם אן יקולו) bedient er sich einmal auch im vierten Abschnitt hinsichtlich des Islam; sonst sind die Antworten auf die Einwände gegen den Islam in Referatform gehalten. Dagegen führt er mit ואנא אקול! אקול oder ״) קלנאich sage“ oder ״wir sagen“) Gegenbemerkungen gegen die Apologeten des Islam, widerlegender oder abschwächender Art, ein. Es ist also unzutreffend, wenn L. Hirschfeld, der im ganzen ja das Richtige gesehen hat, meint, ״daß er seine Angriffe auf die Grundlehren des Islam in gleicher Weise widerlegt wie seine Einwände gegen das Judentum und das Christentum“ und man nur ״auf eine versteckte Befehdung desselben schließen dürfte“ (S. 12—13). Die Spitze gegen den Islam liegt vielmehr trotz der zur Schau getragenen Objektivität offen zu Tage, und das Buch macht fast noch mehr den Eindruck eines Pamphletes gegen die vorherrschende Religion des Landes als den einer Apologie des Judentums. Dies ist offenbar auch der tatsächliehe Eindruck in der islamischen Welt gewesen; nur so erklärt es sich, daß zwei mohammedanische Theologen sich veranlaßt sahen, Widerlegungsschriften zu verfassen, der eine von ihnen nicht lange nach Veröffentlichung des Werkes2. Daß ein solches Werk von einem Manne geschrieben wurde, der sich, sei es auch nur mit dem Munde, zum Islam bekannte, ist wohl ausgeschlossen. Es kommt hinzu, daß Ibn Kammuna sich gerade über Renegaten zweimal in ganz unmißverständlicher Weise geäußert hat. Die Stellen sind bereits von L. Hirschfeld im gleichen Zusammenhänge angeführt, aber nicht übersetzt worden und mögen darum hier in Uebertragung Platz finden, obwohl einzelnes zweifeihaft bleiben muß. In der Erörterung des dritten Beweises für den Islam heißt es (f. 117b): ״So finden wir in unseren.Zeiten viele, die zum Islam übertreten, um dadurch über Nebenbuhler die Oberhand zu gewinnen; diese neigen dann naturgemäß dazu, jene Religion zu verteidigen, obwohl sie im Innern nicht daran glauben“3. Von diesem psychologischen Gesetz hätte gewiß auch unser Autor keine Ausnahme gemacht, wenn er wirklich Renegat gewesen wäre. Den 1 Hinsichtlich der Vollständigkeit der folgenden Angaben mußte ich mich teilweise auf mein Gedächtnis verlassen. Sollten Abweichungen vorkommen, so werden sie am Resultat schwerlich etwas ändern können. 2 S. L. Hirschfeld S. 17. ככתיר-מ&ן נגדה פי ומאבכא,ידכלפי דין אלאסלאם ליסתטהר בדלך עלי אלאקראן 3 ♦ויציר בטבעה באילא אלי בצרה דלך אלדין פע כובה לא יכרן מומבא בנה פי אלבאטן