Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ibn Kammuna
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 5)
- Language
- German
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299 Sina1 behandelt. Ebenso (f. 17b) die Begründung der Notwendigkeit des Auftretens von Propheten, aus den Erfordernissen der menschlichen Gesellschaft2. Vor der Fortsetzung dieses Exzerptes, in welcher die spärliche dogmatische Belehrung durch die Propheten und ihre ausgiebige Kultgesetzgebung erklärt ist, werden wieder zwei bedeutsame Stücke aus Gazali3 eingeschoben. Weiter unten (f. 20b) werden nach Razi4 15 Arten des Nutzens der Propheten auf gezählt. Im Anschluß hieran werden drei gegnerische Thesen der Leugner der Prophetie behandelt, in welchen die Gesetze der Offenbarungsreligionen als nutzlos, überflüssig und der göttlichen Weisheit zuwider hingestellt werden5. Die erste dieser Behauptungen wird auf sechs Beweise gestützt, von denen hier nur der letzte des Interesses halber wiedergegeben sei: ,,die Handlungen, welche dem Gottesdiener aufgetragen werden, halten ihn davon ab, sich ganz und gar der Gotteserkenntnis und Gottesliebe hinzugeben; was aber den Menschen hieran hindert, das zu unterlassen ist dringendste Pflicht". Die Antworten sind kurz und wieder referierend gehalten. Ein Exzerpt aus Gazali6 zeigt, wie man sich aus inneren Kriterien vom Prophetentum einer bestimmten Person überzeugen könne. Im folgenden wird noch (f. 27b) die Tatsache besprochen, daß fast alle Völker irgendwelche Propheten für sich in Anspruch nehmen. Auf eine ausführliche Inhaltsangabe des zweiten, das Judentum betreffenden Kapitels kann hier verzichtet werden, weil Steinschneider und besonders Hirschfeld diesen Teil schon ziemlich eingehend behandelt haben. Obwohl des Interessanten und Mitteilenswerten noch genug bleibt, wird es in unserem Zusammenhange genügen, das Verfahren des Verfassers in diesem Abschnitte herauszustellen. Den Anfang bildet eine kurze Dar- Stellung der Lehre des Judentums, verbunden mit einem Abriß der israelitischen Geschichte in vormosaischer und mosaischer Zeit, zum größeren Teile Jehuda Hailewis Kusari entlehnt. Es werden dann sieben Einwände gegen das Judentum entwickelt und widerlegt. Sie beziehen sich teils auf die Lückenlosigkeit der jüdischen Ueberlieferung und deren Beweiskraft (Nr. 1, 2, 6), teils auf den Inhalt der Thora. (Nr. 3—5), teils auf das Dogma von der Unabänderlichkeit des Thoragesetzes (Nr. 7). Die Widerlegungen sind hier im allgemeinen ausführlicher gehalten als die Ein wände; sie folgen jedesmal unmittelbar auf den Ein wand. Wenn im ersten Kapitel in beiden Beziehungen in der Hauptsache ein anderes Verfahren eingeschlagen wurde, so hat das in der Methode der Hauptquelle (Razi) seinen Grund. Wichtiger ist, daß die Widerlegungen hier nicht in der Form eines Referats (״ אגאבוman hat darauf geantwortet"), sondern schlechthin, also wohl im eigenen Namen des Verfassers, 1 Kitäb an-nagät ed. Rom 1593 (Anhang zum Qänün) S. 46 Mitte; ed. Cairo 1331 11. S. 272 ff. 2 Ebenda ed. Rom S. 84, ed. Cairo S. 498 ff. Identisch ist der betreffende Abschnitt im Kitäb as-sifä’, s. Horten, Die Metaphysik Avicennas, Halle a. S. 1907, S. 661 ff. 3 Munqid S. 20 Zeile 5 v. u. und S. 25—26. 4 Muhassal S. 156—157. 5 Zum Teil ist Muhassal S. 154 zu vergleichen. 6 Munqid S. 25—26.*’