Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ibn Kammuna
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 4)
- Language
- German
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298 wie auf andere Seelen formändernd einzuwirken (Wunder); eine außerordentlich gesteigerte geistige Fassungskraft; endlich die Gabe, Verborgenes zu schauen (Weissagung)1. Der Prophet oder Gottesgesandte wird definiert als einer, der ,,Kundmachungen Gottes überbringt, ohne daß zwischen ihm und Gott eine menschliche Mittelsperson stände“ (wohl aber kann ein Engel der Vermittler sein). Nach Anführung verschiedener Ansichten über die Vorbedingungen des Prophetentums (nur ethische oder auch intellektuelle Vollkommenheit u. a.) wird zunächst eine Einteilung der Prophetie in vier Arten mitgeteilt, je nachdem die Vision im Schlaf oder im Wachen, unmittelbar oder durch Mittelwesen erfolgt; ferner wird zwischen ausdrücklicher und gleichnisweiser Mitteilung unterschieden. Schon hier wird wohl Maimuni (Moreh II, Kap. 41 ff.) benutzt sein (oder etwa dessen Quelle?); etwas weiter unten (f. 8a unten) ist die maimunidische Einteilung der Grade der Prophetie (Moreh II, 45) mit einigen leicht verständlichen Abweichungen ausgeschrieben, so daß sich zehn Grade ergeben. Ibn Kammuna geht sodann zur Behandlung des Wunders über, das als Grundlage des Glaubens an die Propheten und an die von ihnen gestifteten Religionen im Zusammenhänge der Schrift von größter Bedeutung ist. Er zählt (f. 9a), wahrscheinlich nach Fachraddin Razi2, fünf Bedingungen auf, die den theologischen Begriff des Wunders konstituieren. Hierauf erwähnt er (f. 10b), zweifellos dem genannten Autor folgend3, sieben Einwände, die man gegen das Wunder und seine Verwendung als Beweis für die Glaub- Würdigkeit eines Propheten erheben könnte. Er gibt dann (f. 12b), in referierendem Tone und weiter im Anschluß an Razi4, Auflösungen dieser Zweifel. Sie laufen im wesentlichen auf die These hinaus, daß rein logisch zwar Möglichkeiten bestehen, das Wunder anders aufzufassen denn als gottgewollte Bestätigung des Propheten, tatsächlich aber ,,in uns ein notwendiges Wissen geschaffen sei", daß das Wunder dieser Bestimmung diene5; eine philosophisch vielleicht nicht uninteressante Unterscheidung, die auf Gazali6 zurückgeht. Ibn Kammuna enthält sich hier der Kritik. Nach Bemerkungen über den Unterschied zwischen Prophetenwundern und äußerlich ähnlichen Erscheinungen wendet sich die Darlegung (f. 14a) zu der philosophischen Theorie der Vision als einer Emanation der Sphärenseelen oder -geister. Die Lehre von der Vollkommenheit der spekulativen Vernunft bei den Propheten wird (f. 16a) in wörtlichem Anschluß an die Enzyklopädie des Ibn 1 Vgl. Gazali: tahäfut al־faläsifa ed. Gairo 1321, S. 64—65 und dazu Ibn Rusd: tahäfut at־tahäfut S. 122. 2 Die Aufzählung ist Razi’s Ausführungen in Muhassal afkär al-mutaqaddimin wa’l-muta’ahhirm ed. Gairo 1323. S. 151 ff. verwandt, kann aber nicht unmittelbar daher stammen. 3 Muhassal S. 152—153 u. Ma4älim usül ad-dm (am Rande des genannten Werks) S. 97—98. Die spezielle Formulierung scheint auch hier aus einem dritten Werk zu stammen, vielleicht aus dem später zitierten Nihäjat al־cuqül. 4 Vgl. Muhassal S. 156, Ma‘älim S. 104. 5 Also eine für alle Menschen gültige psychologische Notwendigkeit, die nicht zugleich logische Notwendigkeit ist. 6 Vgl. Tahäfut S. 67.