Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zwei Beispiele midraschischer Predigt
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 11)
- Language
- German
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268 wieder aufgenommen, und jede Wiederversöhnung bringt ein Neues. Durch ein Gleichnis wird es erläutert. Wenn ein König seine Frau, die er verstoßen hatte, zurückrufen läßt, dann denkt sie, daß jetzt, wo er sie zurückhole, er ihr ein Neues gewähren werde. So hat Gott, als er auf der Erde wieder seine Stätte nahm, ein Neues gewährt. Vordem hatte er die Opfer von oben aus angenommen; jetzt nahm er sie von unten an. Darum konnte Gott jetzt wahrhaft sagen: ,,Ich bin in meinen Garten gekommen1, meine Schwester Braut; ich pflücke meine Myrrhe und meinen Balsam“. Und das ist der Sinn des Satzes: ,,Und es war, als Mose vollendet hatte, die Wohnung zu errichten“. Das Thema der Predigt ist deutlich erkennbar. Es ist die Frage, wo die Stätte der Schechina ist. Diese Frage stellt ein wesentliches Stück der alten Theologie, der jüdischen wie vor allem der Christliehen, dar. Daß durch die Sünde der ersten Menschen die Schechina von der Erde verdrängt war, darin stimmten damals Judentum und Christentum miteinander überein, und ebenso darin, daß der Zustand der Urzeit an einem Tage der Erfüllung wiederkehre. Die Frage, an der sie sich schieden, war die, die unsere Predigt behandelt, ob und wodurch die Schechina wieder zu den Menschen zurückgeführt worden sei. Die alte christliche Theologie erklärte, Christus sei der neue Adam, durch ihn und in ihm sei die Schechina zur Erde zurückgekehrt; ihrer werde teilhaftig, wer mit ihm verbunden sei. In Christus sei, wie mit dem griechischen, dem Worte Schechina entsprechenden Begriffe gesagt wurde, die Stätte des 7rX7]p(0pa2. ,,Es war Gottes Wille“, so sagt der Kolosserbrief, ,,in ihm das ganze TüXrjpmpa wohnen zu lassen.“3 Und derselbe Brief dann wieder: ,,In ihn wohnt das ganze nX7]p(0pa der Gottheit leibhaftig, und in ihm seid ihr dieses TtXijpwpa teilhaft.“4 Mit . einem Worte, das an den Namen des Stiftszelts anklingen soll, rühmt der Prolog des Johannesevangeliums von Jesus, daß in ihm ,,der Logos sein Zelt unter uns hatte.“5 Durch den Epheserbrief, diesen Brief von der Kirche, wird dasselbe dann auf sie, den ,,Leib Christi“, bezogen; mit Worten, die an das talmudische 6צמצום השכינה erinnern, nennt er sie ro TcXrjpmpa zoo zä 7rdvza h 7täa1 TzXrjpoupsvoü, d. h. den Bereich, innerhalb dessen der wohnt, der das All in allen Wesen ausfüllt.“7 Und wie früh auch hier schon das Hohelied seine Allegorien dafür geboten hat, zeigt die Apokalypse, die das ״neue Jerusalem“, diese Stätte der Schechina, im Bilde der Braut darstellt und zu ihr hin das Wort vom Throne Gottes ergehen läßt: ״Siehe die Wohnung 1 Zu der Deutung des Wortes בא vgl. Bloch a. a. O., Anm. 3. 2 כבוד י»!ןנ30)5ד&ד bezw. ייקרא und שבינה sind korrelate und schließlich analoge Begriffe; daher wird dem Christus auch die 00£a (כבוד) zugesprochen, s. Phil 3^; Marc 1037; Matth 162ד et passim. 3 Kol 1-to. « Kol 2#; . * Ev. Joh li4: eojtjjvtuoEv Iv cf. ebendort: ־xat E&saaäjisüa xrjv 8öi;«v «tuxoü. Cf. Apoc. 213. 6 S. hierüber Pes. d. R. K. 5a; 20a; 152a; Wa!. r. XI, 8. י Eph. 123• Vgl. Weinei, Bibi, Theol. des N. T. 468 u. 574.