Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zwei Beispiele midraschischer Predigt
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 8)
- Language
- German
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265 der Theologie des Origenes, und wie in ihr mit den Mitteln der Bibelexegese wird dies erwiesen. Auf gleichem Boden standen die Gegner einander gegenüber. Der Christus oder die Thora, so war es seit der Zeit des Galaterbriefes ein eigentlichstes Problem des Kampfes zwischen Christentum und Judentum. Ein Zeugnis von ihm ist auch unsere Predigt. Sie erhält ihren Sinn und ihren geschiehtliehen Platz erst dadurch, daß dieses zentrale Thema erfaßt , wird. Vielleicht wird hierdurch auch manches Einzelne in ihr in andere Stellung gerückt und verdeutlicht. Die Worte מכוסה und מוצנע erscheinen nun wie Prädikate, die dem Christus und der Thora gelten sollen, als Prädikate, welche Ausdruck für die Präexistenz sind, Daß die Thora vor Erschaffung der Welt war, daß sie das eigentlich Präexistente ist, ist alte Ueberlieferung der mündlichen Lehre1. Das Gleiche ist durch das apokryphische und pseudepigraphische jüdische Schrifttum bestätigt: schon das Buch der Jubiläen2 spricht davon und ebenso die assumptio Mosis3, ganz wie dieses eine palästinensiche Schrift; das.Buch Sirach und das der Weisheit Salomos sagten dasselbe, indem sie die ״Weisheit“ mit der Thora identifizierten. Ueberall ist es hier der Gedanke, daß die Thora von Anbeginn an ,,aufbewahrt“ und ״verborgen“4 war zu dem Tage ihrer Offenbarung hin. Und das nämliche wird im neutestamentliehen Schrifttum von dem Christus gesagt, mit Worten, auf die fast in unserer Predigt Bezug genommen sein könnte, Im Brief an die Römer wird die Verkündigung vom Christus genannt ״die Enthüllung eines Geheimnisses, das ewige Zeiten verschwiegen war, jetzt aber kundgetan worden ist“5. Im Brief an die Epheser wird von ihm gesprochen als ״dem Geheimnis, das seit Urzeiten in Gott, dem Schöpfer aller Dinge, verborgen gewesen ist“6. Und im ersten Brief an die Korinther heißt die ״Weisheit“ die ״geheimnisvolle, verborgene, welche Gott vor den Zeiten vorherbestimmt hat“7. Von dem Christus und der Thora sind so die gleichen Prädikate ausgesagt; was von jenem gerühmt wird, ist ihr auch zugesprochen; die jüdische Predigt konnte sie alle für die Thora in Anspruch nehmen. Es wäre möglich, daß auch das Wort vom Pädagogen hier seine Beziehung hat. Polemisch hatte es der Galaterbrief gegen die Thora gebraucht, um ihre Zeit für beendet zu erklären8, aber das Wort von Christus, dem Lehrer, dem Mystagogen hat auch im apologetischen 1 Gen. r. I, 5 u. ParalL; VIII, 2 u. Parall. Es ist charakteristisch, wie hier der Messias, in der Frage der Präexistenz, zurücktritt, indem nur von seinem Namen gesagt ist. daß er zur Schöpfung von Anfang an bestimmt, war. Es ist eine bestimmte Tendenz, wenn dort, wo die Präexistenz behandelt wird, immer nur von dem שם המשיח gesprochen ist. S. das Targum zu Micha 5?1 Sach. 47 und Ps. 72™. Vgl. auch Henoch 483.? Jubil. 129 ff.; 2!s; 432 ef°? 3 Ass. Mos. lu, falls dort statt plebem (s. Kautzsch, 319) legem gelesen wird. 4 Ueber diese Prädikate als Ausdruck der Präexistenz s. Hen. 463, 486 und 627, sowie das Targum zu Micha 4g. 5 Römer 1625 f. 6 Ephes. 3g f., vgl. Kol. lgg. Zu dem 11üaT>)p10v, von dem an diesen Stellen gesprochen ist, vgl. meine Ausführungen in Maybaum-Festschrift 167, Anm. 1. 7 I Kor 27. 8 Gal. 324. f.