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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 264

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Zwei Beispiele midraschischer Predigt
Date
1925-01-01
Page
Seite 264 (sequence 7)
Language
German
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264 Prolog des Johannesevangeliums als der, der ,,im Anfang war“ und ,,durch den alles geworden ist“1. So konnte, wie Hieronymus an einer bekannten Stelle berichtet, der Schöpfungsatz erklärt und übertragen werden: ״Im Sohne schuf Gott Himmel und Erde“2 oder, wie eine andere alte kirchliche Schrift es faßt: ״Im Anfang“, das will sagen: ״in der Vermittelung des Christus und nach seinem Willen“3. Diese Lehre, daß der Christus der ראשית ist, war für das Judentum eine bedrohliche. Sie war es um so mehr, als sie in der Zeit, der unsere Predigt entstammt, durch den bedeutendsten Theologen der alten Kirche, durch Origenes, auf dem Boden Palästinas neu gestaltet wurde. Und gewissermaßen auch auf einem jüdischen Boden; denn mit den'Mitteln der Philosophie Philos4 hat Origenes seine Glaubenswissenschaft auszubauen gesucht, und auch ihm war alle Theologie zugleich Exegese der Bibel5, deren hebräischen Text er beherrschte. Räumlich trat er zu der jüdischen Forschung in unmittelbarste Nähe. In Cäsarea, wo auch der Sitz des Metropoliten von Palästina und Syrien war6, hatte er seine Schule, eben dort also, wo der Tannait Bar Kappara sein Lehrhaus gegründet hatte, und wo jetzt auch sein Schüler Hoschaja, der Autor unserer Predigt, lehrte. Nebeneinander waren sie dort, der ״Vater der Mischna“7 und der Vater der kirchlichen Theologie. Es liegt nahe, daß diese beiden Männer nicht aneinander vorübergehen konnten. Wir haben zudem Berichte von Disputen, welche Hoschaja, ganz wie vor ihm Bar Kappara8, mit christlichen Lehrern hatte9. Es scheint, daß diese Schule von Cäsarea ganz eigentlich die Schule des geistigen Kampfes mit dem Christentum gewesen ist; sie hat sich als diese noch in der Zeit Abbahus erwiesen. In ihr war es begreiflicherweise vor allem geboten, daß man sich mit der kirchlichen Lehre vom ראשית auseinandersetzte; der jüdische Prediger in Cäsarea konnte dem damals nicht aus dem Wege gehen. Daß und wie dies geschah, tritt uns in unserer Predigt entgegen. Sie stellt gegen den Satz, daß der Christus der ראשית sei, den anderen hin, daß in Wahrheit die Thora es ist. ״ אין ראשית אלא תורהdie Thoraallein ist der ראשית“. Sie ist die Chochma, der Logos, ״durch sie und auf sie hin“ hat Gott die Welt erschaffen. Von ihr nur kann es gesagt werden, daß sie der Künstler und Meister des Schöpfungs- Werkes gewesen ist. Mit Hilfe phiionischer Gedanken, ganz wie in f1 Ev. Job 1ג und 3. 2 Hieron. quaest. hebr. in Gen. p. 3. Vgl. Harnack, Dogmengeschichte I4, 213 Anm. ־ 3 Harnack, Texte und Untersuchungen III, 18: in principio . .. . hoc est in Christi arbitrio et ad ejus voluntatem. Vgl. L. Ginzberg in Monatsschrift f. Gesch. u. Wiss. d. Jud. 1898, 539. Arbitrium hat die Bedeutung ״Vermittlung“, s. z. B, Assumptio Mos. I: ab initio orbis terrarum praeparatus sum, ut sine ärbiter testamenti illius. Die Worte ,,arbiter testainenti“ entsprechen den Worten im Hebräerbrief 81915, י u. 1224: 8ta87־jxY)<; jxestTy](;. 4 Vgl. Harnack, Dogmengeschichte I4, 669 f. 5 Ibid, 653. 6 Harnack, Mission und Ausbreitung des Christentums, 419. - 7 Jer. Baba kamma 4c etc. Vgl, Bacher Ag. d. pal. Am. I, 89, Anm. 3, 8 Vgl. Bacher, Ag. d. Tann. II, 506. 9 Vgl. Bacher in Jew. Quat. Rev. III, 357 ff.

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