Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zwei Beispiele midraschischer Predigt
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 6)
- Language
- German
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263 Die Inhaltsangabe zeigt schon, daß hier nicht der Inhalt eines Proömiums, sondern einer Predigt vorliegt. Aber noch deutlicher tritt dies hervor, wenn das Thema genauer betrachtet wird. Das Thema ist die Frage, wer der ראשית, die dpx‘fj ist, oder wie in der Sprache der Zeit auch gesagt werden kann, wer die Chochma, der Logos1 ist. Diese Frage war damals eine entscheidende, an ihr schieden sich Christentum und Judentum. Daß die Welt von Gott durch die Chochma, durch den Logos geschaffen worden ist, darin stimmten damals mit dem Christentum, wie schon unsere Predigt zeigt; auch Ansichten im Judentum überein. Für beide bot diese Lehre die Möglichkeit, das kosmologische Problem mit dem alten jüdischen Gottesglauben zu verbinden; nur dadurch konnte auch die Philosophie — alle Religionsphilosophie der hellenistischen Zeit ging von der kosmologischen Frage aus — ihren Platz in der Begründung der Religion erhalten. Um es mit einem treffenden Worte Harnacks zu sagen: ״Die Formel vom Logos legitimierte die Spekulation ... innerhalb des kirchliehen Glaubens“2.' Vom Judentum kann ein Aehnliches gesagt •werden. Wenn die Religion ihre kosmische Bedeutung haben sollte, *so konnte sie auch hier für die griechisch Gebildeten nicht dieser Lehre entraten. Bezeichnend dafür ist schon das eine, daß das Fragmententargum, welches doch sehr altes Traditionsgut enthält, die Worte בראשית ברא mit 3בחוכמא ברא wiedergibt. Aber die Frage, von der nun alles abhing, war dann die, wer dieser ,ראשית ־wer diese Chochma, dieser Logos ist. Für das Christentum war, als es kosmische Theologie auch sein wollte, die selbstverständliche Antwort, daß der Christus der Logos, die Chochma ist. So sagt schon der erste Brief an die Korinther von dem Christus, daß ״durch seine Vermittelung alle Dinge geworden sind“4, so dann der Brief an die Hebräer, daß ״Gott durch seine Vermittelung das Weltall geschaffen“5, so der Brief an die Kolosser, daß ״das All geschaffen worden ist in ihm . . durch ihn und auf ihn hin“6, so nennt ihn die Apokalypse den ״ ,ראשיתdie dpyij der Schöpfung Gottes“7, und dieser Satz gewinnt vielleicht durch unsere Predigt seine richtige Erklärung8, so erscheint er im 1 Der stoische Logos erscheint in der ,,Weisheit Salomos“ als die Chochma, •s. dort 24ל• 2 Harnock, Dogmengesch. I4, 698. 3 Vgl. mitJBezug auf die Schöpfung des Menschen Sap. 92: xai *qjf oocpV ■aou xaTsaxeuaaac avfrpaucov. Ebenso II. Hen. (Rec. A.) 308. Vgl/ auch Sept. zu Prov. %: *optoc ixxias \ls . . . etc spfa «000־. ' 4 I Kor 8Ö.^ In Bezug auf Christus ist hier gesagt: ot 0.0 zd xavT<?',־mit Bezug auf Gott ££ 00 zd rcavTa. 5 Hebr i2 6 Koh ljf.: £V OOZCp Cf. ibid. t K): Zu diesen verschiedenen 48, Philo, de prov. 23. öt aozoo 7,at ei<; aozov.■ Präpositionen *vgl. Senecü ep. 65, Plut. de def. orac. 7 Apok 314: dp'/q xij; xzibeto'Q zoö frsop. 8 Die Worte ibid. 0 ajx^v, 6• jxapxoc 6 mcrcoc xal dXrj&tvöc haben bisher keine befriedigende Erklärung finden können. Die Vermutung liegt “nahe, daß das Wort a^v nicht die Wiedergabe von אמן, sondern von אמון sein soll, von dem ja gesagt wird, daß er dp'/J] xxtasoK ist.’ •Die Vermutung wird auch dadurch nahegebrächt, daß der d^v genannt wird: 0 itocpTo־; o icwtoc xal dforftwos; dies könnte dem Targum entsprechen; denn dieses gibt אמון wieder mit: מהימנתא. :