Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 261

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Zwei Beispiele midraschischer Predigt
Date
1925-01-01
Page
Seite 261 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829932-2832723--46352-2832819
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

261 verbale Form ist nämlich פתח ודרש oder auch פתח ואמר, wobei es schwer festzustellen sein wird, was anfänglich als Objekt zu dem Verbum פתח gehört hat. Aus allen Stellen ist ersichtlich, daß diese beiden Verben פתח ודרש bezw. ואמר eine feststehende Wort- Verbindung mit der Bedeutung ״predigen“ bilden. Aus dieser Wort- Verbindung fiel dann später das ודרש bezw. ואמר fort, und es blieb der verkürzte Ausdruck פתח mit der gleichen Bedeutung ״predigen“, so daß z. B. für die Predigt an der Totenbahre bald פתח, bald אפטר bezw. 1הפטיר vorkommt. Als diese Verkürzung üblicher Sprachgebrauch geworden war, konnte das Substantiv פתיחה bezw. פתחא für ״Predigt“ gebraucht werden; es konnte auch als Objekt zu dem Verbum פתח oder auch zu צבד treten2. Aber vor allem spricht doch gegen jene Annahme, daß unsere Homilienmidraschim nur Proömien enthielten, die Tatsache, daß, wenn wir nur einmal von jenem Vorurteil abgehen, wir die Predigten entdecken, d. h. daß wir in jeder sogenannten Peticha ein bestimmtes Thema feststellen können, zu dessen Darlegung die Predigt gehalten worden ist, und daß dadurch erst alles seinen Zusammenhang und seine Bedeutung gewinnt. Diese Feststellung des Themas wird so auch das heuristische Prinzip, um Teile, die in der handschriftlichen Ueberlieferung von einander getrennt sind, als zu einem Ganzen gehörig zu erkennen. Sie gibt der Predigt auch erst ihre Pointe; es tritt nun hervor, mit wem die Predigt sich auseinandersetzt oder gegen wen sie gerichtet ist. Denn wohl nur verhältnismäßig selten ist die Predigt damals bloß aus der Lust am Deuten oder am Fabu- Heren hervorgegangen. In jener Zeit des Glaubensringens ist sie zumeist der Ausdruck eines Gebotes des geistigen Kampfes gewesen, welchen die alten Lehrer in Verteidigung und Angriff gegen am drängende, bedrohende Gedanken führen mußten. Erst dadurch, daß dies erkannt wird, gewinnt die jüdische Predigt der talmudisehen Zeit ihre religionsgeschichtliche Stellung und wird auch das Niveau sichtbar, das sie besaß. An zwei Predigten zunächst, je einer aus dem dritten und aus dem vierten Jahrhundert, soll dies im folgenden erwiesen werden. Sie sollen zugleich ein Beispiel dafür bieten, in welcher Weise die jüdische Predigt damals dem Christentum gegenübertrat. Als erstes Beispiel diene die Predigt des Hoschaja rabba, die den Beginn des Bereschit rabba bildet und dem Buche diesen seinen Namen gegeben hat. Einzelnes in ihr, die charakteristische Ein־־» Wirkung griechischer philosophischer Gedanken, ist bereits von Freudenthal und nach ihm von Joel3 herausgehoben worden. Aber das, was den eigentlichen Gedankengehalt dieser Predigt bildet, ist bisher unbeachtet geblieben. 1 Vgl. Bacher, Terminologie II, 155. 2 Diese Verbindung ♦ ♦ ♦ ♦ 'טבד פתחא ל und ♦ ♦ ♦ ♦ 'פתחופתחא ל hat dann wohl die Bedeutung: ״als Predigttext nehmen für . . sie wird mit Bezug auf den üblichen zweiten Text, den aus den Propheten oder Hagio׳ graphen, gebraucht, der den pentateuchischen Text erläutern oder erklären soll. Vgl. besonders Megilla 10b u. 11a. 3 Freudenthal, Hellenistische Studien I, 73. Joel, Blicke in die Religionsgeschickte I, 117. Vgl. auch Bacher, Ag. d. pal. Am. I, 107 n. 2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.