Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zwei Beispiele midraschischer Predigt
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 3)
- Language
- German
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;260 Abot1 uns auch in den Zitaten der anderen, späteren Midraschim vorliegt, deutlich die Form der Mischna und der Baraita. Sie gibt, entsprechend dem einfachen halachischen Ausspruch bezw, dem kurzen halachischen Midrasch, den einfachen haggadischen Satz, die kurze haggadische Schriftdeutung, ganz wie dort bald unter Nennung des Autors, bald anonym; sie hat auch gelegentlich, wie die Mischna, eine Zusammenfassung von Sätzen in einer Zahlengruppe2. Neben ihr steht in ganz anderer Form, entsprechend der Gemara des Talmud, die amoräische Haggada. Sie gibt nicht den einfachen Satz eines Lehrers, sondern sie enthält die Erörterung einer Frage, also eine Predigt, und zwar in der Form, wie sie sich vor allem in der Schule Jochanans ausbildete, d. h. unter Zusammen- Stellung von Texten aus den drei oder aus zwei Hauptteilen der Bibel, von denen der eine durch den anderen seine Erklärung finden soll3. Sie setzt sich dabei oft, wie die Gemara mit der Mischna, so mit haggadischen Aussprüchen der Tannaiten, also, wenn dieses Wort gebildet werden darf, mit der haggadischen Mischna, oder auch, wieder entsprechend der Gemara, mit haggadischen Sätzen von Amoräern auseinander. Nur durch diese Scheidung zwischen haggadischer Mischna und haggadischer Gemara kann ein klares Bild von der Ueberlieferung der alten Predigt gewonnen werden. Zu diesem Ergebnis, daß uns nicht bloße Proömien erhalten sind, daß sie vielmehr ganze Predigten darstellen, führt auch das richtige Verständnis der Termini פתח und wie es sich aus dem jeweiligen Zusammenhänge deutlich erschließt. Alle wesentliehen Stellen, welche für die Erklärung dieser Termini in Betracht kommen, sind von Bacher gesammelt worden4. Aber die Ueber- Setzung, die er bietet, nach der פתיחא, ,,das Proömium“ bedeute und ״ :פתחeinen Vortrag mit einem Proömium eröffnen“, ergibt überall ein Erzwungenes5, während die Uebersetzung ״Predigt“ und ״predigen“ durchgängig einen natürlichen klaren Sinn gewährt. Die sprachliche Entwicklung führt zu ihr hin. Die ursprüngliche 1 Die Abot de Rabbi Natan sind am besten als haggadische Gemara zu dem Traktat Abot, dieser haggadischen Mischna, zu charakterisieren. 21 Vgl. außer den Beispielen im Traktate Abot als ein charakteristisches Beispiel Schir. r., Einl. § 10. 3 Vgl. Bacher, Proömien, 11 ff. u, 15 ff. 4 p&cher a a O 26 ff. 5 Als Beispiele seien gebannt Abot R. N. VI, 7:?אותו יום נתן עיניו רב יוחנן בן זכאי בדבי אליעזר ואמר לו פתח ודרוש א״ל איני יכול לפתוח דתק עליו ודחקוהו התלמידים עמד ופתח ודרש בדברים שלא שמעתן אזן מעולם. Berach. 63b: פתחו כולם בכבוד אכסניא ודרשו פתח ר׳ יהודה ♦ .«. בכבוד תורד, ודרש וב, in der Parailelsteiie •Schir. r. zu 25 5 heißt es: נכנם ד׳ יהידד. ודרש וב. Erub. 64a: פתח חד ואמר. Jer. Maasser sch. 56c: ר'יודה בר פזי פתח בה. Sota 2a: כי הדה פתח ר״ל בסופה אמר הכי. Meg. 13a:כי הוד, פתח בדברי הימים אמר הכי. Sanhedrin 68a:פתח עליו בשורה ואמר. Echa r. zu 19: בעי למיעל ומפתח עלוי . ... מאל ופתח ואמר — s. jedoch auch die Lesart in der ed. Buber. -r■ Vgl. auch den von Bacher a. a. 0. 28 n. 6 aus den חלוקי דנים ed. Finkeischerer — Festschr. f. Israel Lewy, p. 256, vgl. jedoch auch die Variante — angeführten Satz: בני ארץ ישראל פותחין לפנו המת במועד בני בבל אין פותחין במועד. Ueberal! hier ist die Uebersetzung ״mit einem Proömium eröffnen“ fast etwas Unmögliches, während sich die Bedeutung ״predigen“ als eine selbstverständliche einstellt; ganz besonders die letzten Sätze, die von Reden an der Totenbahre handeln, zeigen es.