Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hiobdichtung und Hiobsage
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 13)
- Language
- German
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246 Pentateuch und der dort dem Gebrauch der Gottesnamen zugrundeliegenden religionsgeschichtlichen Theorie. Von der Hiobdichtung, die hier allein Gegenstand unserer Behandlung ist, von ihr haben wir erkannt, daß sie auch eine Bek e h r u n g Hiobs zum Gegenstände hatte. Und ich glaube, daß dies in der Tat allein der ursprüngliche Inhalt auch der alten Hiobsage war, der später erst zu unserer Hioberzählung umgebogen wurde. Hiob ist, wie bereits mehrfach hervorgehoben wurde, ein Edomite. In der biblischen Form איוב aber ist der Name Hiob kein edomitischer, sondern ein hebräischer Name, der hebr., wie ja auch vermutet worden ist, zu den Wörtern איב anfeinden, אויב Feind gehören und der Angefeindete bedeuten müßte. In der Tat muß schon der Dichter der Reden den Namen auch so verstanden haben. Am Ende der Dialogreden Hiobs stehen die — heute durch einige Zeilen auseinandergerissenen— Sätzchen: ,,Zu Ende sind die Worte I j j o b h s — die Schrift, die schrieb der Mann des Streits1“. Der ,,Mann des Streits“ ist nun nach anderen Stellen so viel wie ,,der Befehdete, Bekämpfte“ und so ist deutlich, daß der Dichter im Parallelsatz auch איוב so verstanden wissen will: ,,Zu Ende sind die Worte des Bekämpften, die Schrift, die schrieb der Mann des Streits“. Und so mag bereits das Motiv von Hiobs unverdientem Leid in der Tat, wie schon vermutet wird, in Deutung des Namens ,,der Gottbekämpfte“ entstanden sein. In seiner edomitischen Heimat dagegen bedeutete ־— wie von andern erkannt war — das dem hebr. איוב entsprechende Ajjäb oder Awwäb ,,den sich Bekehrenden“. Damit aber wußte man bisher nichts anzufangen. Nun aber, da sich aus der Dichtung selbst ergibt, daß sie ursprünglich von der Bekehrung Hiobs erzählte, ist die Entwicklung der ganzen Sage verständlich. Auf Hiobs oder Ajjäbs edomitischem Heimatboden entstand in Deutung des Namens Ajjäb ,,der Bekehrte“ eine Erzählung von Ajjäbs Bekehrung. Auf israelitischem Boden ward diese Bekehrung zu einer Bekehrung des Heiden zu Israels Gott. In hebr. Umdeutung entwickelte der Name Hiob weiter das Motiv von unverschuldeter Befehdung des Frommen, die durch den Satan und den Prüfungsgedanken erklärt wurde. — Aber noch der Prophet Ezechiel spricht 1414 von Hiob in einer Weise, die annehmen läßt, daß er nur eine altere Form der Sage kennt. Aus dieser geschichtlichen Entwicklung der Hiobsage ergibt sich zugleich, daß die Rahmenerzählung der Prüfung in der überlieferten Fassung die jüngste Ausgestaltung der Sage darstellt, die Dichtung, die im wesentlichen das alte Bekehrungsm o t i v festhält, ursprünglich einen anderen Rahmen ausgefüllt hat. Kehren wir nun zu der biblischen Ausgestaltung der Hiobdichtung zurück, so ist über deren Anlage und Inhalt noch kurz das folgende zu sagen. In der unverstümmelten Form der Dichtung dürfte nach Hiobs Klage jeder der Freunde nur einmal ]das Wort ergriffen haben, worauf stets Hiob erwidert. In seiner 1 31, 40a tu 35c; s. m. Kommentar.