Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hiobdichtung und Hiobsage
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 11)
- Language
- German
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;244 wird1. Uebereinstimmend damit bezeugt die Bibel, daß dieser Gott El Schaddai, dem zumindest Ps 91x auch El Eljon gleichgesetzt wird, nicht nur der Gott der Erzväter, sondern der des ganzen alten Palästinas ist, dessen Namen Malkisedelc in Salem, Bileam im Ostjordanland und ebenso Hiob und seine Freunde verehren. Es ist dieser alte Gott der Väter, den Israel in der Wüste unter dem neuen Namen Jhvh kennen lernte. Aber diesen Namen Jhvh hat Gott erst Mose kundgetan, da er zu ihm spricht: ״Ich bin Jhvh. Und ich erschien dem Abraham, Isaak und Jakob als El Schaddai, mit meinem Namen Jhvh aber bin ich ihnen nicht bekannt worden/‘ (Ex 63.) Abraham, Isaak, Jakob, Bileam kennen den Namen Jhvh nicht. Wohl berichtet daher der Erzähler, Ihvh sei Abraham, Isaak, Jakob erschienen, Jhvh habe Bileam befohlen, zu segnen statt zu fluchen, in den Reden der Alten aber wissen diese nur von El Schaddai, den sie auch El eljon oder El(oah), Elohim ״Gott“ schlechthin nennen2. / . Genau dieselbe Unterscheidung ist nun auch im Buche Hiob konsequent durchgeführt — und uns nun in ihrer Absicht ohne weiteres klar. Der israelitische Erzähler weiß, daß Jhvh der Name des Gottes ist, der Hiobs Geschicke lenkt. Und darum erzählt er auch stets: die Himmlischen erscheinen vor Jhvh. Jhvh sprach zum Satan etc. Hiob und seine Freunde aber kennen denselben Gott nur unter dem alten Namen El Schaddai, und so sprechen sie in der Tat nur von El Schaddai oder El, Eloah, Elohim, ״Gott“ schlechthin. Nur in den Reden Gottes am Schluß des Buches und in einzelnen Stücken, die auch aus anderen, inhaltli chen Gründen unbedingt zu den Gottesreden gehören, erscheint wieder der israelitische Name Jhvh, der in den Reden der Menschen sonst vermieden ist. Auch dies ist zunächst wohl verständlich. Gott selbst kennt seinen wahren Namen und kann sich mit ihm nennen. Jedoch, wie ist es zu verstehen, daß er diesen Namen vor Hiob und seinen Freunden aus spricht, die nach der Darstellung des Dichters ihn bisher nicht kannten? Dies ist nur so zu begreifen, daß eben in der Theophanie am Schluß der Dichtung Gott selbst erscheint, nicht nur um Hiobs Zweifel an Gottes Gerechtigkeit zu lösen, sondern um sich ihm ganz, in seiner wahren Gestalt und unter seinem wahren N a m e n zu offenbaren, den er sonst nur Mose und Israel kundgetan. Mit anderen Worten: Die Hiob d i c h t u n g in ihrer biblischen Fassung war eine Dichtung der Bekehrung Hiobs zum Gotte Israels. Darum wird ein nichtisraelitischer Frommer zum Helden einer solchen Dichtung gewählt, weil gezeigt werden soll, daß alle Frömmigkeit unvollkommen ist, solange nicht die volle Erkenntnis 1 Die Bundeslade und die Anfänge der Religion Israels S. 0ל (Festschrift zum 50j. Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, S. 286). 2 Mit der Scheidung von ״Quellen“ nach Gottesnamen hat dies direkt nichts zu tun. Der Gebrauch verschiedener Gottesnamen in parallelen Erzählungen ist wie die gleiche Erscheinung in den Teilen des Psalmbuchs auf Bammler und Abschreiber zurückzuführen, nicht auf einen Elohisten oder Jahvisten :als Autor.