Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hiobdichtung und Hiobsage
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 10)
- Language
- German
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243 noch nicht untergebracht hatte, war schon für die vorausgehende letzte Rede eines Freundes nur noch ein Rest von 5 Versen verfügbar. Und auch dieser Rest enthält nichts anderes als eine Wiederholung des Urteils: Wie kann der Mensch vor Gott sein Recht finden, da Gott auch die Himmlischen verdammt, — also wieder jenes Urteil, das an anderer Stelle ausdrücklich Hiob, nicht dem Freunde zugeschrieben wird. — Und dergleichen vieles. Man begreift, daß, solange dieser Zustand des Textes noch nicht erkannt war, solange man zu Hiobs Anklage rechnete," was Verteidigung der Freunde ist und umgekehrt, daß solange ein wirkliches Verständnis der Dichtung völlig unmöglich war. In meinem Buche ,,Das Buch Hiob, eine kritische Analyse des überlieferten Textes", das 1920 in erster Auflage erschien, habe ich zuerst versucht, durch sorgfältige Analyse das Buch sprachlich, textlich und quellenkritisch zu erklären, die einzelnen Fragmente, ihren Wortsinn und ihre Stellung im Gedankengang des Dialogs zu bestimmen. Gewiß konnte es mir nicht mit einem Schlage gelingen, für all die vielfältig verschlungenen Probleme im einzelnen wie im ganzen stets die endgültige sichere Lösung zu finden. Und so glaube ich heute, auf Grund mancher neugewonnenen Kenntnis, in einer im Druck befindlichen völlig umgearbeiteten Neuauflage des Buches, die im Verlag B. Harz, Berlin, erscheinen soll, in vielen wesentlichen Punkten Richtigeres und Vollständigeres vorlegen zu können, das auch eine Rekonstruktion des Werkes in gewissem Grade gestattet. Als Hilfsmittel zum Wiederaufbau der zertrümmerten Dichtung bot sich freilich kaum etwas anderes als die Prüfung des hebräischen Urtextes selbst. Denn die anderen Zeugen versagen vollkommen, auch die früher einmal sehr überschätzte Uebersetzung der LXX, die bereits so gut wie völlig unseren zerstörten Text voraussetzt, der in ihr nur noch in weiterer Entstellung und Verstümmelung sich spiegelt. Jedoch ergeben sich aus dem Gegeneinander der Ansichten, die oft in der Wiederlegung zitiert werden, aus der Stellung der Anklage und Verteidigung und besonders aus der typischen Form der Reden in Einleitung, Widerlegung, Gegenbehauptung, Anführung von Zeugen und Schluß Anhaltspunkte genug zur Be- Stimmung fast aller Fragmente. Und einen wichtigen Anhaltspunkt für die Erschließung ihrer alten Ordnung bietet auch die religionsgeschichtliche Charakterisierung, die der Dichter selbst den Reden gegeben hat. Schon früher war davon die Rede, daß der Dichter Hiob und seine Freunde durch den Gebrauch aramäisch-edomitischer Spracheigentümlichkeiten als nichtisraelitische Söhne des Ostens charakterisiert. Ebenso aber auch durch den Namen, mit dem sie Jhvh, den Gott Israels bezeichnen. An anderer Stelle habe ich den Nachweis dafür erbracht, daß El Schaddai, der Gott der Erzväter, in den assyrisch-babylonischen Keilinschriften des 2. vorchr. Jahrtausends als ilu §ad1 oder ilu gadi rabi ,,der Gott des Hochgebirges" überaus häufig genannt und als der mächtige Gott des Amurrulandes, des Emoriter- oder Westlandes Palästina und Syrien in weitestem Umfang bezeichnet 16*