Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 242

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Hiobdichtung und Hiobsage
Date
1925-01-01
Page
Seite 242 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829932-2832720--46328-2832800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

242 Nach der Ueberschrift der Redner ist es Elifaz, einer der Freunde, der dies Erlebnis berichtet. Aber wie? Der Freund, der Hiob trösten und Gott verteidigen will, er sollte die Vision zitieren, die Hiob alle Hoffnung rauben, jeden Unterschied zwischen Gerechten und Ungerechten auslöschen muß, da niemand, und sei es der Gerechteste, ja nicht einmal die Himmlischen vor Gott rein erscheinen können? Nein, Hiob ist es, der an Gottes Gerechtigkeit verzweifelt. Und wenn er noch im tiefsten Innern ein Fünkchen Hoffnung genährt hatte, seine Unschuld von Gott anerkannt zu sehen, so hat der grausame Hohn der nächtlichen Geistererscheinung ihn vollends niedergeworfen: Wie? Du hoffst noch, bei Gott Anerkennung Deiner Unschuld zu finden. Törichter! Auch uns, die Himmlischen, verdämmt er ungehört — wie gar Dich! H i o b ist es, der diese Traumvision als Zeugnis für seine verzweifelte Anklage anführt. Das geht schon aus dem Inhalt der Traummitteilung zwingend hervor. Und das wird in der Tat auch in den Reden der Freunde selbst ausdrücklich bestätigt. An anderen Stellen der Freundesreden wird Hiob deshalb verspottet, daß er angeblich göttliche Gespräche zum Zeugnis anführe. Bist Du der erste Mensch, ruft der Freund ihm zu, daß Du mit Göttern Umgang hast1? Ruf nur, ob Dir wer antwortet2! Aus Träumen holst Du Dein Wissen? Ist denn Verstand im Traumgesicht3? Was ist es, heißt es in Kapitel 15, daß Du Dich erdreistest, Dein windiges Gerede einem Gotte zuzuschreiben und daß Du aus Deinem Mund die Worte bringst: ,,Was ist der Mensch, daß er rein erscheine, daß gerecht wäre der Weibgeborne? Sieh׳ seinen Engeln traut er nicht, die Himmel sind nicht rein in seinen Augen, Geschweige der Abscheuliche, Befleckte, der Mensch, der Unrecht trinkt wie Wasser“ (1512-16). Hier wird das ausdrücklich als Hiobs Aeußerung vom Freunde getadelt, was nach der falschen Ueberschrift in Kap. 4 eben derselbe Freund selbst behauptet haben soll. —־ Und anderwärts kommt Hiob auf diese seine Traum vision zurück, berühmt sich dessen, daß er des Heiligen, des Engels Worte nicht verschwiegen4. Sie können nicht falsch sein, denn kein Lügner kommt vor ihn, vor Gott5. Diese und viele andere Fälle ähnlicher Art lehren ganz unabweisbar, daß die Einteilung der Dichtungsfragmente — nur solche liegen uns heute vor — in die Reden unseres Textes von später, plumper Hand herrührt. Daher auch die Seltsamkeit, daß zwei der Freunde dreimal zu Worte kommen, während für den dritten eben nichts mehr übrig bleibt; und während als letzte Rede Hiobs der Sammler alle 156 Verse zusammenfassen mußte, die er 1 15« f. 2 5 . 3 6g 1. אם יש טעם?ליל. חלמות. statt בריד חלפות u. vgl. m. Kommentar. 4 קדיוש nw 6 כי לא פחדתיi0. ® 1310 כי לא לפניו חנף יבוא.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.