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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 240

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Hiobdichtung und Hiobsage
Date
1925-01-01
Page
Seite 240 (sequence 7)
Language
German
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240 I Und zwar betreffen die Schäden des Textes nicht etwa nur Ver- 1 Schreibungen einzelner Stellen, sie greifen vielmehr auch tief in den! Kern des Ganzen. Wer unbefangen in den Inhalt des Buches einzudringen versucht, wird feststellen müssen, daß, so klar und logisch Ceinzelne Partien darin den Gedankengang der Dichtung überlegen | festhalten, andere kaum minder umfangreiche Stücke ohne; jeden logischen Zusammenhang erscheinen, daß Plan und Anlage der Dichtung Bisweilen auf längere Strecken vollkommen verschüttet sind in einem Geröll von Versen, die ohne gedankliche Bindung untereinander und in sich widerspruchsvoll einander folgen. Immer wieder stößt man auf Stücke wie das folgende1: ״Denn insgesamt ist der Morgen ihnen Finsternis. Denn e r kennt die Schrecken der Finsternis. Flink ist er auf des Wassers Fläche. Verwünscht ist ihr Feld im Lande, nicht wendet er sich auf den Weg der Weinberge. Dürre und Hitze rauben Schneewasser; die Unterwelt, sie haben gesündigt“ und viele andere dieser Art. Und — was oft noch schlimmer ist — in einer großen Reihe nicht minder zerstörter und zusammengeworfener Partien hat die har־־ monisierende Deutung zweier Jahrtausende einen falschen ״Sinn“ hineingeheimnisst, so daß auch die moderne Kritik blindlings der ״Tradition“ folgt, ohne das Problem zu erkennen, das sie zu lösen hat. In den Naturschilderungen am Ende des Buches ist z. B. 3913~18 von einem Vogelweibchen die Rede, das törichterweise seine Eier am Boden im Stiche läßt. Andrerseits versteht es die Kunst des Fluges und kann in der Höhe selbst des Reiters spotten2. Der Name des Vogels ist nicht genannt. Die Deutung des Mittelalters hat seltsamerweise just an den Straußvogel gedacht, der indes bekanntlieh nicht fliegen kann und dessen Weibchen die Eier nicht verläßt. Dennoch verlangt noch im J. 1922 Frd. Delitzsch, daß in den Text der Name des Straußes hineinkorrigiert werde, da sonst ״die unerläßliche Nennung der Straußenhenne“ fehle. Aber daß es gerade die Straußenhenne sein müsse, ist nicht nur unbeweisbar,י sondern völlig unmöglich u. v. a. m. Wie ist aber der gegenwärtige beklagenswerte Zustand unseres Textes.zu erklären? Sicherlich nicht so, daß der Dichter, der sonst Hoch vollendetes leistet, in gewissen Partien die Fäden seines Gedankenganges völlig aus den Händen verloren hat, sondern aus der schweren Leidensgeschichte, die der Text noch vor seiner Festhaitung durch die Ueberlieferung durchgemacht haben muß. So war auch bereits früher für einzelne Stellen erkannt worden, daß Teile der Dichtung nicht an ihrer richtigen Stelle stehen, und in der willkürlichen Annahme solcher Vertauschungen sind manche Erklärer sogar recht weit gegangen. In Wirklichkeit liegt die Sache indes nicht so, daß innerhalb des feststehenden Rahmens der Dialogreden Hiobs und der Freunde später einzelne Stücke an die falsche Stelle gerieten, sondern, wie eingehende Untersuchung lehrt, so, daß schon der Sammler, der unsere Dichtung in ihrer heutigen Grund- 1 Hi 24דג ff. כי יחדו בקר למו צלמות כי יכיר בלמות צלמות* קל הוא על פד.מים תקלל חלקתם בארק לא יפגר. דדך ■כרמים* ציח גם חם יגזלו מימי שלג.שאול חנזאו.. 2 כעת במרום' תמריא השחק לסוס ולרכבו* V. •18.

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