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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 239

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Hiobdichtung und Hiobsage
Date
1925-01-01
Page
Seite 239 (sequence 6)
Language
German
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239 zahlreichen UebersetZungen und Erklärungen des Buches zu Rate zieht, wird auch in den besten von ihnen nur ein verzerrtes und verstümmeltes Bild der Dichtung erhalten. Woran liegt dies? Einmal an der großen sprachlichen Schwierigkeit des Buches, das eine Fülle nur hier vorkommender Wörter und Wendungen bietet. Ein eingehendes Studium zeigt, daß ein großer Teil dieser Schwierigkeiten sich daraus erklärt, daß der Dichter die deutliche Absicht hat, die Redner, Hiob und seine Freunde, als nichtisraelitische, edomi tische Söhne des Ostens zu charakterisieren und sie die ihnen geläufigen Worte und Wendungen ihrer Sprache gebrauchen läßt. Die Sprache des alten Edom ist uns, außer in Eigennamen, anderweitig nicht erhalten, es ist aber nach allem, was wir wissen, zu urteilen, daß ihr Dialekt innerhalb des semitischen Stammes zur aramäischen Sprachgruppe gehört und dort den Uebergang zum Nordarabischen gebildet haben mag. In der Tat wurde schon in früherer Zeit die Beobachtung gemacht, daß die Hiobdichtung in ihren Reden — nicht in der Erzählung —, eine auffallend große Zahl aramäischer oder arabischer Lehnwörter enthält, und darum hat schon um 1100 der jüdische Gelehrte Abr. ibn Esra irrig geradezu vermutet —, daß unser Buch eine Uebersetzung aus dem Edomitischen sei. Der Umfang dieser Aramaismen oder Edomismen ist aber noch viel größer als bisher erkannt ist, und mehr noch als durch die zahlreichen fremden und darum dunklen Vokabeln, wurde das Verständnis durch jene Fälle gehemmt, wo auch im Hebräischen vorkommende Wörter nicht in einer hebräischen Bedeutung, sondern in einem Sinne verwendet werden, den sie nur in Hiobs edomitischer Heimat hatten1. Durch diesen Gebrauch edomitischer Spracheigentümlichkeiten in den Reden der Edomiter — der aber in der eigenen Erzählung durchaus vermieden ist — will der Dichter die Redner als F r e m d e charakterisieren. Daß dies die Absicht ist, beweist uns ein anderes Beispiel, wo edomitische Landsleute Hiobs in der gleichen Weise durch ihre Sprache gekennzeichnet werden. Im Buche des Propheten Jesaja 21u fl. sind uns Prophezeiungen über edomitische Stämme berichtet. Ein Wächter spricht den dunklen Satz ,,Der Morgen kam und auch die Nacht, wenn ihr fragen wollt, kommt wieder2/‘ und gebraucht in diesem einen Satze statt der hebräischen die aramäischen Vokabeln אתא und בעי, verwendet eine nabatäischaramäische Infinitivform 3בליל, wie es ebenso im folgenden Verse לחמו statt des hebr. לחם heißt. Und wie in der Sprache, so sind, wie wir später sehen werden, auch im Gebrauch der GottesbeZeichnungen Hiob und seine Freunde mit deutlicher Absicht als Fremde gekennzeichnet. Ein zweites und noch schlimmeres Hemmnis für das Verständnis des Inhalts ist die außerordentlich schlechte Erhaltung des Textes. 1 S. dazu wie zum weiteren im einzelnen die im Druck befindliche völlig umgearbeitete 2. Auflage meines Hiobkommentars. 2 t אחא בקר וגם לילה אם חבעיון בעין שבו. אתיו. 3 So ist בעיו wohl zu fassen, da ,,wenn ihr fragen wollt, fraget.‘‘ hier keinen Sinn gibt. Vgl. auch Ben Jehuda, Journal öf Palestihe Oriental Society I (1921) S. 113 ff. zu Sprüche 30^—31.

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