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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 238

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Hiobdichtung und Hiobsage
Date
1925-01-01
Page
Seite 238 (sequence 5)
Language
German
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238 ,,Ohnmächtig bin ich, Gott, ohnmächtig, nichts vermag ich1, Denn töricht bin ich vor den Männern und Menschen wissen hab״ ich nicht. Und gar die Weisheit hab׳ ich nie gelernt, daß ich der Heil ,gen Wissen kennte1'2. Wie anders ist solche Rede und Gegenrede zu verstehen als aus der Situation, wie sie im Buch Hiob gegeben ist, daß der Mensch vorher — im Redestreit mit anderen Menschen, und wohl im Aufschrei des Schmerzes — Gottes Gerechtigkeit in Frage gestellt, daß Menschen keine rechte Entgegnung gefunden, bis endlich Gott selbst dem Zweifler erscheint und seine Empörung in Demut wandelt? Ob Agur oder Ijjob, es ist dasselbe Thema, das hier in gleicher Form und in nahezu wörtlicher Berührung behandelt wird. Man könnte selbst versucht sein, anzunehmen, daß wir hier wirklich den Rest einer anderen Bearbeitung des Hiob vor uns haben, denn אגור und איוב, zumal in der Schrift etwa des 5. vorchristlichen Jahrhunderts, sehen einander graphisch so ähnlich, daß eine Verlesung an der einen Stelle gewiß nicht unmöglich ist. Jedoch ließe sich manches auch dagegen sagen, und hier kommt es darauf nicht an. Jedenfalls gehören Agur und Hiob insofern zusammen, als beide Nichtisraeliten, Söhne des edomitischen Ostens sind; — welche Bedeutung dieser Umstand für das Verständnis der Dichtung hat, soll später noch behandelt werden. Und die Gestalt beider diente als Held einer Erzählung, an die die unabhängig hiervon entstandene Dichtungsform des philosophisch-religiösen Wettstreits sich anschloß. Wie etwa schon bei den Arabern wirklicher Wettstreit zweier oder mehrerer Poeten so geführt wurde, daß jeder eine These, etwa vom Wert einer bestimmten Farbe gegen die Gegner verteidigte und die Durchführung dieses thematischen Dialogs uns immer wieder in den verschiedensten Variationen begegnet, und in den Erzählungen etwa von 1001 Nacht bestimmten Personen in bestimmter Situation in den Mund gelegt wird, so pflegten israelitische Meistersänger, wie sich auch weiter noch bestätigen wird, das Problem der Theodicee mit Vorliebe zum Gegenstände ihres Wettgesanges zu machen, und ein solcher Wettgesang ist es, der den Rahmen unseres Hiobbuches ausfüllt. Nicht die Meinung eines einzelnen, sondern den für das Verständnis der Religion des. Judentums noch ungleich wichtigeren Niederschlag dichterisch religiöser Spekulation der israelitischjüdischen Weisheitslehrer überhaupt über das Problem vom Leiden des Gerechten bietet uns das Buch Hiob. Können wir nunmehr nach den Anschauungen fragen, die in unserer Dichtung zum Ausdruck kommen? Auch hierauf kann die Antwort nicht sogleich erfolgen. Denn wer immer eine der so 1 L. etwa z. T. m. a. לאיתי אל לאיתי ולא א^הל; vgl. auch 1h. Hiob zu 4226־. 2 Wie ״ נאם תגבנרdas Wort des Mannes“ Ueberschrift dieser Antwort, so scheint ד.םשא V. 1 ״die Gottesrede“ V. 4 anzukündigen, die ja als Frage vor der Antwort V. lb—3 gestanden haben muß.

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