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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 237

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Hiobdichtung und Hiobsage
Date
1925-01-01
Page
Seite 237 (sequence 4)
Language
German
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237 Rätselwettstreites, der dem weisen Herrscherpaare in den Mund gelegt wurde. Wie stellt sich danach das Verhältnis der Rahmenerzählung in Prolog und Epilog im B. H. zu den Reden dar? Alte Volkserzählung von Hiob hatte längst zu dichterischer Auffüllung herausgefordert. Die Reden, die der Dichter unseres Hiob in diesen Rahmen gestellt, so sehr sie sich im ganzen als das Werk einer gewaltigen, poetischen, tief religiösen aber auch gedanklich und geradezu philosophisch hochstehenden, gelehrten Persönlichkeit darstellen, sind in ihrem Inhalt nicht auf einmal entstanden, sondern sind der Niederschlag längerer Entwicklung, ja, man möchte sagen, einer Schultraditio n. Dies folgt einmal nicht nur aus der noch später kurz zu besprechenden, sorgfältig beobachteten typischen Form der Reden in Aufbau und Beweisführung, sondern auch schon daraus, daß der Dichter eine Fülle selbständig entstandener Einzelgattungen der Poesie innerhalb seiner Darstellung verwendet, Hymnen und Gebete, Klage, Fluch, Anklage und Bekenntnis/Naturbeschreibungen, Schöpfungssagen und Schilderungen des Weltgeschehens, Weisheits- und Zahlensprüche etc., und darunter vieles bringt, das in fast gleicher, traditioneller Schulform uns nochmals an anderen Stellen der Bibel begegnet. Ja, man kann geradezu annehmen, daß die überlieferten Reden ein Produkt wiederholter Bearbeitung des Stoffes sind, daß Klage und Dialog um Hiob ein beliebter Gegenstand wirklichen dichterischen Wettstreites war, dessen eine Ausgestaltung in unserem Hiob ihren dichterischen Niederschlag gefunden hat. Und obgleich wir das in dieser Form nicht strikt beweisen können, so doch zumindest dies, daß, wenn auch vielleicht nicht von Hiob sondern von einem anderen Helden, ganz ähnliches erzählt und auch diese Erzählung zum Rahmen eines ähnlichen Dialogs über Gottes Gerechtigkeit gemacht wurde. Es ist bekannt, daß die Lösung in unserer Hiobdichtung auf die Weise herbeigeführt wird, daß Gott in Form von Fragen die Werke seiner Schöpfergröße und Hiobs Ohnmacht und Unwissenheit diesem vor Augen führt, bis Hiob endlich reuig bekennt, daß seine Vermessenheit sich an Dinge gewagt, die der Sterbliche nicht beurteilen könne. Am Ende des Buches der Sprüche Kap. 30x-4 hat sich nun ein Rest alter Weisheitsdichtung erhalten, der die ,Aufschrift führt ,,Worte Agurs, Sohnes des Jaqe . . und folgende Stücke bringt. Einmal die offenbar von Gott an ,,Agur“ gerichteten Fragen: (V. 4) ,,Wer stieg hinauf zum Himmel und kam wieder, wer sammelte den Wind in seinen Händen? Wer wickelte das Wasser in ein Kleid, wer hat der Erde Enden aufgestellt? Wie ist sein Name, wie der seines Sohnes, wenn du’s weißt?“ Und daneben folgendes Bekenntnis: ,,Das Wort des Mannes“ (V. lb—3):

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