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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 236

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Hiobdichtung und Hiobsage
Date
1925-01-01
Page
Seite 236 (sequence 3)
Language
German
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236 aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. aufgefundene Achiqarroman, wo gleichfalls die Erzählung stellenweise nur als Rahmen dient, um besonders eine Reihe von Weisheitssprüchen einzuleiten, die der Vater an seinen Sohn, der Oheim an seinen Neffen richtet. Und wenn wir daraufhin das biblische Buch der Sprüche ansehen, so finden wir darin Gruppen von Sprüchen etwa mit dem Titel ,,Die Worte an Lemuel, den König von Massa, den seine Mutter unterwies“. Solche Ueberschriften, wie der Inhalt der Sprüche, zeigen, daß bestimmte Verhältnisse vorausgesetzt sind, über die ursprünglieh in einer Rahmenerzählung Aufschluß gegeben war. Und so wird auch der größte Teil des Spruchbuchs, darunter wohl auch die direkt auf Salomo zurückgeführten Abschnitte, wie die wiederholten, meist an einen Sohn gerichteten Anreden zeigen, zur Ausschmückung bestimmter Situationen in solchen Erzählungen zusammengestellt worden sein. Auch das Buch des Predigers Kohelet ist ursprünglich, wie sich zeigen läßt, als Testament eines sterbenden Königs an seinen Sohn1 gedacht und wahrscheinlich im Rahmen einer Königsgeschichte erzählt worden. Endlich sind auch zahlreiche Psalmen geschichtlichen Erzählungen und Legenden entnommen, in deren Rahmen sie ursprünglich hineingedichtet waren. Die Dichtung des Hiobbuches stellt aber auch nach einer zweiten Richtung einen Gipfelpunkt in einer längeren Entwicklungsreihe dar. Die Fülldichtung im Hiob besteht nicht in einer einen Standpunkt vertretenden Rede, sondern in einem Dialog, in dem zur Lösung des Problems einander entgegengesetzte Ansichten in poetischem Wettstreit gegenübergestellt werden. Der biblische Hiob ist eine Problemdichtung, die eine religiösphilosophische Frage in Dialogform lösen will. Sie setzt aber auch die Dichtungsform des literarischen Wettstreits, die wir auch aus anderen verwandten Literaturen kennen, in einer so hohen Entwicklung voraus, daß sie so schwierige Probleme wie das der Gerechtigkeit der göttlichen Weltordnung darzustellen mit Erfolg unternehmen konnte. Dazu kommt, daß die Form des Dialogs zwischen zweien hier längst überboten ist, indem im Hiob fünf oder gar sechs verschiedene Redner mit verschiedenen Ansichten an einer einheitlichen Gedankenkette beteiligt sind. Und auch hierzu können wir zunächst wenigstens noch die Spur einer althebräischen Dichtung aufzeigen, die mit der Gattung der Rahmendichtung auch die Form des Wettstreits im Dialog verband. Das erste biblische Königsbuch erzählt, wie die Königin von Saba, die von Salomos Weisheit gehört hatte, nach Jerusalem kam, um den weisen König ,,mit Rätseln auf die Probe zu stellen“. Der aber wußte ihr auf alle Fragen treffend Bescheid zu geben, so daß sie beschämt sein höheres Wissen zugeben mußte. Diese Erzählung, worin zumindest der angegebene Zweck des Besuches deutlich sagenhafter Erfindung angehört, scheint mir nur verständlieh als ‘ Einkleidung des im Buche der Könige leider weggelassenen 1 Darum: ,,Ich Kohelet war König“ in; ,,mein Sohn“ 1212.

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