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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 218 (sequence 24)
Language
German
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218 Existenz Israels und Judas durch Assyrien und Babylon. Dieses Erlebnis gibt ihrer Verkündigung nicht nur ihren furchtbaren Ernst und ihre gewaltige Pathetik, es bestimmt auch den Inhalt ihrer religiösen Vorstellungen. Indem sie das Israel drohende Unheil auf Ihvh selbst zurückführen und die Weltmächte als seine Werkzeuge ansehen, weitet sich die Geschichtsbetrachtung zur weltgeschichtliehen Perspektive und erhebt sich die Gottesvorstellung zu höchster Majestät. Die bisher mehr latente Universalität der Gottesvorstellung wird nun voll entfaltet. Dabei aber behält sie durchaus ihren voluntaristischen Charakter. Gott ist der Weltherr, der die Welt nach seinem Willen lenkt. Vor allem aber bleibt auch die Bedeutung des Bundes zwischen Gott und Israel unvermindert. Die Bundes- Vorstellung wird zum Erwählungsgedanken geläutert. In dieser Form aber behält sie nicht nur ihre alte Wichtigkeit, sondern wird gerade durch die Universalität der Gottesvorstellung in ihrer Bedeutung noch gesteigert. Israel ist von dem Gott der Welt erwählt und sein Schicksal steht im Mittelpunkt des göttlichen Weltplanes. Dabei konzentriert sich der Inhalt der durch den Bund gegebenen göttlichen Forderungen ganz auf das sittliche Gebiet. Die gesinnungsethische Deutung der Bundesforderung wird radikal durchgeführt. Die ethischen Forderungen gewinnen dadurch ihre einzigartige Würde, daß sie, ihrem Wesen nach mit den allgemeinmenschlichen ethischen Forderungen identisch, zum Inhalt des Bundes zwischen dem Weltengott und dem von ihm erwählten Volke werden. (S. 310, 311). Die Ethik selbst empfängt bei den Propheten eine neue Gestalt, nicht durch inhaltliche Umformung ihrer Vorschriften, sondern durch ihre Begründung in einer zentralen religiösen Gesinnung besonderer Art. Weber erkennt an, daß für eine Reihe von Propheten die Liebe das religiöse Grundverhältnis zwischen Gott und seinem Volke ist, aber im Ganzen tritt sie seiner Meinung nach zurück hinter der Forderung des unbedingten Glaubens an Gott und der demütigen Unterordnung unter seinen Willen. Von Jesaja an gilt die Demut als die wichtigste Tugend, hochmütiges Vertrauen auf die eigene Kraft als Kardinalsünde. Hierauf beruht insbesondere auch die politische Einstellung der Propheten, ihr Gegensatz zu der auf die eigene Kraft vertrauenden Politik des Hofes und der Großen (S. 333 und 334). Die Bedeutung des Glaubens hängt eng mit dem zusammen, worin die religiöse Gedankenwelt der Propheten gipfelt: mit ihrer Zukunftsverkündung, die das *Schicksal des Volkes ausschließlich von dem göttlichen Ratschluß abhängig macht. Auf ihren Zukunfts- Verkündigungen beruht in erster Reihe die Wirkung der Propheten. Sie geht zunächst von ihrer Unheilsverkündigung aus, die auf das von Angst vor den unbarmherzigen assyrischen und babylonischen Eroberern gepeinigte Volk naturgemäß stärksten Eindruck machen mußte. Der Glaube an die Prophetie mußte ungeheuer wachsen als ihre Unheilsverkündigungen über das Nordreich in Erfüllung gingen und bald darauf bei der Belagerung Jerusalems durch Sanherib Jesajas Verheißung erner Errettung der Stadt sich bewahrheitete. Vollends mußte die Erfüllung der Unheilsprophetieen auch an dem Reiche Juda die Autorität der Propheten endgiltig befestigen. Die Unheilsverkündigung aber ist niemals das letzte Wort der prophe-

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